36. Die Traurigkeit Christi bis zum Tod.
Aber gegen den apostolischen Glauben scheinen die Irrlehrer sich auf dieses Wort zu stützen: „Traurig ist meine Seele bis zum Tod.”1 Das Bekenntnis seiner Traurigkeit soll die Schwachheit des Wesens erweisen, von deren Bewußtsein her die Traurigkeit ihren Ursprung genommen hatte. Zunächst einmal frage ich nach dem Sinne mensch(enmög)licher Erkenntnis, was die „Traurigkeit bis zum Tod” heiße. Es ist nämlich nicht der gleiche Ausdruck: „traurig zu sein wegen des Todes” und „traurig zu sein bis zum Tode”. Denn wo wegen des Todes die Traurigkeit besteht, da ist eben der Tod S. 190 die Ursache für die Traurigkeit; wo aber bis zum Tod die Traurigkeit besteht, da ist vollends der Tod nicht die Ursache, sondern das Ende der Traurigkeit. Es gilt also zu fragen, woher derjenige traurig sei, der nicht wegen des Todes, sondern bis zum Tode traurig ist. Traurig aber nicht in einer ungewissen und unbestimmten Zeit menschlichen Nichtwissens, sondern bis zum Tode. So sehr aber wurde die Traurigkeit nicht wegen des Todes übernommen, daß sie durch den Tod (sogar) abgelegt wurde.
Matth. 26, 38. ↩
