41. Von dem Bericht über den Blutschweiß und die Ankunft des Engels.
Gewiß nicht dürfen wir übersehen, daß man in sehr vielen griechischen und lateinischen Handschriften von dem Kommen des Engels und dem Blutschweiß nichts berichtet findet. Es mag also jemand im Zweifel sein, ob das in den verschiedenen Büchern entweder fehle oder überflüssig sei ― das bleibt uns nämlich bei der Verschiedenheit der Bücher ungewiß ―, und wenn etwa die Irrlehre dies sich begierig zunutze macht, um dessen Schwachheit zu behaupten, der die Hilfe eines Engels benötigte, der ihn stärkte, so möge sie wenigstens doch bedenken, daß der Schöpfer der Engel des Schutzes S. 195 seiner Schöpfung nicht bedurft habe, daß er danach in der Weise gestärkt werden mußte, wie er auch traurig sein mußte. Denn wenn er für uns traurig ist, das heißt unseretwegen traurig ist, dann mußte er auch unseretwegen und für uns gestärkt werden. Wer nämlich im Hinblick auf uns traurig ist und im Hinblick auf uns gestärkt wurde, dem geschah die Stärkung unter derselben Bedingung, unter der er traurig war.
Niemand wird es aber wagen, den Schweiß ihm als Schwachheit auszulegen, weil es wider die Natur ist, Blut zu schwitzen. Es ist auch keine Schwachheit, was die Macht in Ungemäßheit mit dem gewöhnlichen Naturverlauf getan hat. Es wird auch in keiner Weise auf die Irrlehre von seiner Schwachheit bezogen werden können, was zum Zeugnis wider diejenige Irrlehre sich gestaltet, die lügnerisch von einem Trugbild1 spricht, (und zwar nicht) wegen des Blutschweißes, der zur Bekundung der Wahrheit des Körpers wird.
Wenn also die Traurigkeit unseretwegen erlitten und das Gebet für uns verrichtet wird, dann ist die Erkenntnis unmöglich, es sei alles nicht unseretwegen getan, da doch alle Gebete für uns verrichtet wurden, denen die Furcht galt.
Gemeint ist der Scheinleib, von dem die Doketen sprachen (Simon der Magier, Cerinth, Marcion u. a.). ↩
