42. Die Traurigkeit, die Kelchesbitte usw. bezieht sich auf die Apostel.
Die Evangelien bieten sich aber eine gegenseitige (Ergänzung zur) Vollendung, sofern die verschiedenen Berichte sich wechselseitig erkennbar machen, weil alles die Verkündigung eines Geistes ist. Dieses Gebet des Herrn für die Apostel nämlich wird von allen verschwiegen. Johannes aber, der mit Vorzug die geistigen Dinge lehrt, weist es auf durch seinen Bericht, daß der Herr so gebetet habe: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen! Als ich bei ihnen war, habe ich sie behütet in S. 196 deinem Namen, die du mir gegeben hast, und ich habe sie behütet.”1
Nicht für ihn galt also das Gebet, sondern für die Apostel; noch auch ist er seinetwegen traurig, der sie zu beten mahnt, damit sie nicht in Versuchung kämen;2 noch auch wird ihm der Engel gesandt, der 12000 Legionen vom Himmel herabführen würde, wenn er es wollte;3 noch auch leidet er des Todes wegen Furcht, der bis zum Tode bedrängt ist;4 noch auch bittet er darum, daß der Kelch ihn übergehe, sondern der Kelch an ihm vorübergehe, der doch nicht vorübergehen kann, wenn er ihn nicht trinkt.5 Das Vorübergehen ist aber nicht das räumliche Entschwinden, sondern das Überhaupt-nicht-dasein. Eben das bezeichnet das Wort des Evangelisten und des Apostels, wenn es heißt: „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen;”6 aber auch der Apostel: „Seht, das Alte ist vergangen, und geworden ist das Neue”,7 aber auch, wenn er sagt: „Die Gestalt dieser Welt wird vergehen.”8
Der Kelch also, um dessen Vorübergehen er den Vater bittet, kann nicht vorübergehen, wenn er nicht getrunken wird. Jedenfalls bittet er für diejenigen, die er während seines Mit-ihnen-seins selbst bewahrt hat, die er auch dem Vater zur Rettung überließ. Da er jetzt aber das Geheimnis des Todes zu vollziehen sich anschickt, bittet er den Vater, sie zu behüten. Wenn überhaupt an dem so ist,9 dann ist die Gegenwart des Engels gar nicht zweifelhaft, der von ihm (dem Vater) gesandt wurde; es ist die offenkundige Sicherheit über die Gebetserhörung, da er sie nach beendetem Gebet zum Schlaf ermahnt.
Die Wirkung des erhörten Gebetes aber und die Sicherheit der Mahnung zum Schlaf erweist der Evangelist noch während des Leidensgeschehnisses, da er von allen S. 197 Aposteln, die den Händen der Verfolger entgehen würden, spricht: „damit das Wort erfüllt werde, das er gesprochen hatte, daß ich keinen von denen verloren habe, die du mir gegeben hast.”10 Durch ihn wird nämlich die Bitte des Gebetes erfüllt, und alle sind gerettet. Der Vater jedoch wird gebeten, er möge nun selbst in seinem Namen bewahren, die er (Christus) bewahrt hatte. Und so sehr bewahrt er, daß des Petrus Glaube wegen der nachfolgenden Reue keinen Schaden nimmt, wenn er auch vorher in Schrecken gejagt war.
