68. Empfehlung des Glaubens.
Der Apostel läßt gewiß keine Möglichkeit, um gezweifelt oder gesagt werden zu lassen: Christus ist geboren, hat gelitten, ist gestorben, auferstanden. Auf welche Weise aber, in welcher Kraft, durch welche Trennung, mit welchen Teilen? Wer ist, der weint? Wer, der S. 224 sich freut? Wer, der klagt? Wer, der hinabsteigt? Wer, der hinaufsteigt?
Jedoch hat er dadurch das Verdienst des Glaubens durch das Bekenntnis einzig einer unbedenklichen Lehre aufgezeigt, daß er sagt: „Aus dem Glauben aber heraus spricht so die Gerechtigkeit: Sprich nicht in deinem Herzen: Wer steigt in den Himmel hinauf, d. h. um Christus herabzuführen? Oder wer steigt in die Tiefe hinab, d. h. um Christus von den Toten heraufzuführen? Doch was sagt die Schrift? Nah ist dein Wort in deinem Mund und in deinem Herzen, d. h. das Wort des Glaubens, das wir verkünden. Denn wenn du es mit deinem Munde verkündet hast, daß Jesus Herr ist, und mit deinem Herzen daran glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet werden.”1
Den Gerechten vollendet der Glaube, gemäß dem Wort: „Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.”2 Hat etwa Abraham Gott geschmäht, als er ihm das Erbe der Völker und eine Vielzahl an Nachkommenschaft versprach, die ihm bleiben werde, zahlreich wie die Sterne und wie der Sand?3 Wenn nämlich ehrfürchtiger Glaube an der Allmacht Gottes nicht zweifelt, dann ist er nicht mehr in der Wesensbeschränkung menschlicher Schwachheit befangen. Was vielmehr in sich hinfällig war und das Irdische verachtete, das hat den Glauben an das göttliche Versprechen über das Maß menschlicher Zustandsweise hinaus angenommen. Denn in keiner Weise vermag menschliches Gesetz Gottes Machterweise in Schranken zu bannen, indem Gott bei der Verwirklichung soviel an Freigebigkeit mitteilt, wie er an gutem Willen im Versprechen erwies.
Nichts also ist gerechter als der Glaube. Wenn nämlich Ausgeglichenheit und Maßhalten schon für irdische Handlungen zuträglich ist, so ist doch nichts für den S. 225 Menschen von Rechts wegen angebrachter, als an die Allmacht Gottes mit der Einsicht in ihre unbeschränkte Reichweite geglaubt zu haben.
