22.
[Forts. v. S. 17 ] Noch müssen wir das Ziel der beiden Heilkünste untersuchen. Die eine bezweckt, Gesundheit und Wohlbefinden des Körpers zu erhalten oder wiederherzustellen. Ob aber ihr Besitz von Vorteil ist, bleibt noch dahingestellt. Denn oftmals bringt das Gegenteil größeren Gewinn. Armut und Reichtum, Ehre und Unehre, Erniedrigung und Auszeichnung, kurz alles Indifferente und Neutrale, erhält erst durch den freiwilligen Gebrauch den Charakter von Gut und Bös. Die andere Heilkunst aber hat die Aufgabe, die Seele zu beflügeln, der Welt zu entreißen und Gott zu geben, das Ebenbild (Gottes) zu erhalten, in der Gefahr zu führen oder im Falle der Vernichtung wiederherzustellen, durch den Geist in den Herzen für Christus Wohnung zu bereiten und ― was die Hauptsache ist ― ihn, der einer höheren Ordnung angehört, zu Gott zu machen1 und an der himmlischen Seligkeit teilnehmen zu lassen.
In Rede 29, 19 schreibt Gregor: „Nachdem der Mensch Gott beigemischt war und einer wurde mit ihm, siegte der Stärkere (in der Verbindung), damit ich in dem Maße Gott werde, in welchem er Mensch geworden ist.“ Vgl. Rede 36, 100! ↩
