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Es ist daher leichter, einer Seele, die einer noch unbeschriebenen Wachstafel gleicht, eine Wahrheit zum ersten Male einzuprägen, als Buchstaben, ich meine schlimme Anweisungen und Sätze, mit frommer Lehre zu überschreiben, da die zweite Schrift mit der ersten unkenntlich verwischt wird. Allerdings ist es besser, einen ebenen, gebahnten Weg zu gehen als einen unbetretenen und rauhen, und besser ist es, einen Acker zu pflügen, der schon oft gepflügt und gelockert worden S. 28 ist. Doch ist es vorteilhafter, in eine Seele zu schreiben, in welche noch keine bösen Worte Eindrucke gemacht haben und in deren Tiefen noch nicht die Lehren der Sünde gesät worden sind. Denn sonst hätte der gottesgläubige Seelenbildner die doppelte Aufgabe, die früheren Eindrücke auszumerzen und an deren Stelle kostbarere zu setzen, welche es verdienen, zu bleiben. So zahlreich die schlimmen Eindrücke und Einzeichnungen des Bösen sind ― man darf nur an die verschiedenen Sünden und an die Irrlehre denken ―; so schwer ist der Beruf für den Seelenhirten und Seelenführer. Das meiste habe ich noch übergangen, um nicht über Gebühr zu reden.
