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[Forts. v. S. 30 ] Wir sind überzeugt, daß es besser ist, die Zügel geschickteren Männern zu überlassen, als ungeschickt andere am Zügel zu führen, besser, willig Gehör zu schenken, als unerfahrener Zunge Freiheit zu lassen. Dies haben wir überlegt bei uns selbst, die wir uns wohl keine schlimmen, vielmehr wohlwollende Ratgeber sind, und haben es für besser befunden, in unserer Unwissenheit das Reden und Handeln zu lernen als es trotz unserer Unkenntnis zu lehren. Man muß (noch) froh sein, wenn einer erst im hohen Alter vom Worte eines bejahrten Mannes belehrt wird; es vermag einer im Glauben noch unerfahrenen Seele zu nützen. Andere belehren wollen, ehe man selbst genügend unterrichtet ist, und, wie das Sprichwort sagt, das Töpferhandwerk mit dem Fasse beginnen, d. i. erst in der Seelsorge den Glauben auszuprobieren, scheint mir überaus töricht und vermessen zu sein, töricht, sofern man nicht einmal seine eigene Dummheit einsieht, vermessen, sofern man zwar die Einsicht hat, aber gleichwohl sich an die Sache heranwagt.
