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So groß und so bedeutend ist in unseren Augen das erwünschte und erstrebte Ziel. Dies sind die Anforderungen, welche an den Brautführer und Werber der Seelen gestellt werden. Ich für mich muß fürchten, daß ich, an den Händen und Füßen gebunden, als einer, der kein hochzeitliches Gewand trägt und sich frech zu den Gästen eingeschlichen hat, aus dem Hochzeitssaale hinausgeworfen werde. Allerdings wurde ich ― um etwas zu verraten, was den meisten unbekannt ist ― schon in der Jugend berufen und „vom Mutterschoße an dem Herrn ausgeliefert1“ und infolge eines Gelübdes der Mutter ihm geweiht. Durch Gefahren wurde ich später (im Vorhaben) gefestigt. Die Sehnsucht wuchs und die Überlegung wirkte mit. Dem, der mich erwählte und erlöste, gab ich alles hin: Vermögen, Ruhm, Gesundheit, selbst Beredsamkeit. Diese Güter verschafften mir nur den einen Vorteil, daß ich sie gering schätzen lernte und daß ich an ihnen etwas hatte, dem ich Christus vorziehen konnte. Die Worte Gottes wurden mir wertvoll wie Honigseim2. „Die Einsicht rief ich zu Hilfe, der Weisheit galt meine Stimme3.“ Ich mäßigte u. a. den Zorn, zügelte die Zunge, hielt die Augen in Zucht, bändigte den Magen, trat weltliche Ehre mit Füßen. „In Torheit S. 48 rede ich4“; doch es sei gesagt! In all dem war ich wohl nicht schlimmer als die meisten.
