23. Wie Sigibert gegen die Hunnen zog
S. 209 Nach dem Tode König Chlothachars brachen aber die Hunnen1 in Gallien ein, und Sigibert zog mit seinem Heere gegen sie aus, und als es zum Kampfe kam, wurden sie besiegt und in die Flucht geschlagen. Doch durfte ihr König später mit Sigibert durch Gesandte Freundschaft schließen. Da aber Sigibert noch mit ihnen zu schafsen hatte, erwuchs ihm Unruhe. Chilperich, sein Bruder, brach in Reinis ein und eroberte auch andere Städte, die jenem gehörten. Hieraus entstand, das Leiden voll zu machen, zwischen ihnen ein Bürgerkrieg. Und als Sigibert nach dem Sieg über die Hunnen zurückkehrte, nahm er die Stadt Soissons ein und fand dort Theudebert, König Chilperichs Sohn, nahm ihn gefangen und schickte ihn in die Verstrickung2. Und da er auf Chilperich selbst losging, kam es zum Kampfe; Chilperich wurde geschlagen und in die Flucht gejagt, Sigibert aber brachte seine Städte wieder unter seine Botmäßigkeit. Theudebert, Chilperichs Sohn, ließ er auf dem Hofe zu Ponthion3 ein ganzes Jahr lang bewachen, danach aber sandte S. 210 er ihn, wie er ein gnädiger Herr war, seinem Vater unversehrt zurück, und beschenkte ihn noch reichlich. Zuvor aber hatte er sich von ihm einen Eid schwören lassen, daß er niemals gegen ihn etwas unternehmen wollte. Doch dieser Eid wurde danach, so wollten es unsere Sünden, gebrochen4
Unter den Hunnen sind hier und im Folgenden die Avaren zu verstehen, ein finnischer Stamm, der hinter den Hunnen aus Asien nachdrängt und sich zunächst am Don und Asow’schen Meer festsetzt; Justinian lenkt sie nach der unteren Donau ab, sie begründen dann ein Reich, dessen Kern die ungariscl)e Tiefebene bildet, und bedrängen von hier aus die angrenzenden Länder (624 belagern sie sogar Konstantinopel), bis Karl der Große sie vernichtet. ↩
In exilio transmittiu Aber exilium bedeutet, wie das entsprechende »Elcnd«, nicht nur die Berbannung, sondern auch die Jnternieruiixk d. h. die technisch sogegenannte Verstrickung. ↩
J« der Champagne nicht weit von Bitt» ↩
Vgl. unten Kur» 47. ↩
