42. Von dem Kriege des Mummolus gegen die Langobarden
Eunius, mit dem Beinamen Mummolus, empfing von dem Könige Gunthramn die Würde eines Patricius. Um aber seine Laufbahn von Anfang an zu erzählen, ist es notwendig, etwas weiter auszuholen Er war der Sohn des Peonius und in der Stadt Auxerre ansässig. Peonius aber hatte die Grafschaft in dieser Stadt. Und als dieser, um fein Amt erneuert zu erhalten1, Geschenke durch seinen Sohn an den König geschickt hatte, bewarb der Sohn sich selbst mit dem Eigentum seines Vaters um dessen Grafschaft und verdrängte den, der ihm das Leben gegeben hatte und dem er vor allem hätte beistehen sollen. Von da an stieg er nach und nach zu größeren Ehren. Als nun die Langobarden in Gallien einbrachen, zog der Patricius sog. Amatus, der kürzlich dem Eelsus gefolgt war2, gegen sie aus, und als es zum Kampfe kam, wurde er in die Flucht geschlagen und fiel. Eine solche Niederlage sollen damals die Langobarden unter den Burgundern angerichtet haben, daß die Menge der Gefallenen nicht gezählt werden konnte. Mit Beute beladen, kehrten sie darauf wiederum nach Italien zurück. Als sie aber S. 236 fortgezogen waren, wurde Eunius mit dem Beinamen Mummolus zum Könige beschieden und erhielt die hohe Stellung eines Patricius. Und als die Langobarden wieder in Gallien ein— brachen und bis nach dem Orte, der Muftiae-Calmes3 genannt wird und nahe der Stadt Embrun liegt, vordrangen, brach Mummolus mit seinem Heere auf und zog mit den Burgundern dorthin. Er umzingelte die Langobarden mit seinem Heere, versperrte ihnen durch Verhaue den Weg und stürzte sich dann in den unwegsamen Wäldern auf sie. So tötete er viele, manche nahm er gefangen und übersandte sie dem König, der sie an verschiedenen Orten bewachen ließ. Wenige nur entkamen durch die Flucht, um daheim von dem, was geschehen war, Kunde zu bringen. Es waren aber in dieser Schlacht auch die Brüder Salonius und Sagittarius zugegen4, beide Bischöfe, die aber nicht das himmlische Kreuz als Waffe führten, sondern die weltlichen Waffen, Helm und Harnisch, und sie sollen mit ihren eigenen Händen, was das Schlimmste ist, viele getötet haben. Dies war der erste Sieg, den Mummolus in der Feldschlacht erfocht.
Hierauf brachen aber die Sachfen, die mit den Langobarden nach Italien gezogen waren, in Gallien ein, und in dem Gebiet von Riez5, bei dem Hofe Estoublon, schlugen sie ihr Lager auf, verheerten alle Höfe der umliegenden Städte, plünderten, führten Gefangene fort und zerstörten alles. Als dies Mummolus erfahren hatte, brach er mit seinem Heere auf, überfiel sie, tötete viele Tausende von ihnen und bis zum Abend hin ließ er vom Blutvergießen nicht ab, bis endlich die Nacht dem Morden ein S. 237 Ende machte. Denn ohne daß sie es vermuteten, hatte er sie überfallen, da sie nichts von dem ahnten, was vorgefallen war6. Am Morgen aber stellten sich die Sachsen in Schlachtordnung auf und rüsteten sich zum Kampfe. Da gingen aber Boten hin und wieder, und man machte Friede. Nachdem sie dem Mummolus Geschenke gegeben, und alle Beute, die von ihnen aus der Gegend eingetrieben war, mit den Gefangenen zurückgelassen hatten, zogen sie ab, leisteten aber zuvor noch einen Eid, sie würden nach Gallien zurückkommen, um sich den Königen zu unterwerfen und den Franken Beistand zu leisten.
Darauf kehrten die Sachsen nach Jtalien heim, nahmen ihre Weiber und Kinder und alle ihre fahrende Habe und beschlossen, nach Gallien zu ziehen, aus daß sie sich König Sigibert unterwürfen und von ihm wieder in die Gegenden zurück— geführt würden, von wannen sie ausgezogen waren. Sie bildeten aber zwei Heerhaufen, wie man sagt, der eine zog durch Nizza, der andere auf der Straße nach Embrun, just auf demselben Wege, den sie im Jahre zuvor genommen hatten, und sie verbanden sich dann wieder im Gebiete von Avignon. Es war aber gerade die Zeit der Ernte, und man hatte dort meistenteils die Ernte noch auf dem Felde unter freiem Himmel, die Einwohner hatten noch nichts unter Dach und Fach gebracht. Da die Sachsen nun hierher kamen, teilten sie die Saaten unter sich, mähten und droschen sie und verzehrten das Getreide, so daß sie nichts davon denen übrig ließen, welche die Äcker bestellt hatten. Als aber die Früchte verzehrt waren und sie an das Ufer der Rhone kamen, um über den Fluß zu setzen und sich in das Reich König Sigiberts zu begeben, trafen sie auf Mummolus. Und er sprach zu ihnen: »Jhr sollt mir nicht über diesen Fluß gehen. Sehet, ihr habt das Land meines Königs und Herrn verwüstet, die S. 238 Saaten abgemäht, die Herden geraubt, die Häuser mit Feuer zerstört, die Weinberge und Olberge vernichtet. Jhr dürft mir nicht herüber kommen, ehe ihr nicht denen Ersatz leistet, die ihr arm gemacht habt. Tut ihr dies nicht, so sollt ihr meinen Händen nicht entrinnen, bis ich mein Schwert über euch, eure Weiber und Kinder geschwungen und Rache genommen habe für das Unrecht, das meinem Könige Gunthramn widerfahren ist.« Da ergriff jene gewaltige Furcht, und sie gaben viele tausend Goldstücke, um loszukommen. Darauf wurde ihnen erlaubt, über den Fluß zu gehen, und sie kamen nach Arvern. Es war dies gerade in der Frühlingszeit Sie gaben aber dort gestempelte Vronzebarren7 für Gold aus, und wer diese sah, glaubte nicht anders, als daß es geprüftes und vollwichtiges Gold sei. Denn es hatte ganz die nämliche Farbe, ich weiß nicht auf welche Weise, erhalten. Viele wurden durch diesen Betrug arm, indem sie ihr Gold für Vronze umtauschten. Die Sachsen aber zogen zum König Sigibert, und erhielten in der Gegend, aus der sie früher ausgezogen waren, Wohnsitze8.
Der Graf wurde ursprünglich nur auf Widerruf ernannt. Erst seit dem 7. Jahrhundert bahnt sich die Erblichkeit des Amtes an. ↩
Vgl— oben Kap. 24 und so. Den Tod des Celsus berichtet Marias von Avenches zum Jahr 570. ↩
Die Lage des Ortes, die sich mit Sicherheit Ukchk bestimmen läßt» ist WVHI nordöstlich von Embrun zu suchen. Dies und die folgenden Ereignisse m dteskm Kapitel werden nach Gregor von Paulus Diakonus 1lI, 4——8 erzahlt. ↩
Salonius war Bischof von Embrun, Sagittarius von Gap. Vgl. über beide besonders Buch V, Kaki. so. ↩
Jn der Provence. ↩
D. h. von der Niederlage der Langobarden. ↩
Seit Constantin d. Großen waren im römischen Reiche neben dem Mitnzgeld auch Barren edlen Metalls wieder im Umlauf; vgl. Mommsery Geschichte d. römischen Münzwefens 835 ff. · »· · ↩
Vgl. unten V. V. Kap. 15. Fortunatus feiert wiederholentlich König Sigibert als Besteger der Sachsen, vielleicht bezieht sich dies auf die hier erzählte« Ekeignifse. ↩
