47. Wie Theudebert die Städte nahm
"Chlodovech, der Sohn Chilperichs, ging, als er Tours hatte verlassen müssen1, nach Bordeaux. Danach, als er hier in aller« Ruhe Hof hielt, überfiel ihn plötzlich ein gewisser Sigulf, der ein Anhänger Sigiberts war. Und als er sich zur Flucht wandte, setzte Sigulf mit Trompeten und Hörnern hinter ihm drein, gleich als jagte er einen fliehenden Hirsch. Kaum fand er einen Ausweg, um zu seinem Vater zurückzukehren. Doch gelang es ihm zuletzt, durch Angers zu diesem zu kommen.
Als sich aber ein Streit erhob zwischen den Königen Gunthramn2 und Sigibert, versammelte König Gunthramn alle seine Bischöse zu Paris, damit sie entschieden, wer unter ihnen recht habe. Doch es war so bestimmt, daß die innere Zwietracht noch immer wachsen sollte, deshalb wollten sie nach unsrer Sünden Schuld aus die Bischöfe nicht hören.
S. 246 Chilperich aber sandte voll Zorn seinen älteren Sohn Theudk bert ab — denselben, der einst von Sigibert gefangen, ihm den Eid der Treue geleistet hatte3 — daß er die Städte desselben, Tours nämlich und Poitiers und die andern diesseits der Loire, erobern solle. Und dieser geriet, als er nach Poitiers kam, mit Herzog Gundoald in Kampf. Da aber das Heer Gundoalds sich zur Flucht wandte, richtete er großes Blutvergießen an. Auch den größten Teil der Gegend um Tours verheerte er mit Feuer und Schwert, und wenn man sich« nicht zurzeit ihm unterworfen hätte, würde er alles völlig zugrunde gerichtet haben. Er· brach aber mit mit seinem Heere endlich auf, durchzog Limoges, Cahors und die übrigen Städte in der Nachbarschafh sengte, brannte, äscherte die Kirchen ein, raubte die heiligen Gefäße, tötete die Geistlichen, zerstörte die Mannsklöstey schändete die der Frauen und verwüstete alles. Damals war mehr Klagegeschrei in den Kirchen, als zu den Zeiten der Verfolgung des Diocletianus
