40. Von dem Kaisertum des Justinus
S. 233 Es starb zu Konstantinopel der Kaiser Justinianus und zur Herrschaft gelangte Justinus, ein Mann, der in allen Dingen dem Geize ergeben war; die Armen verachtete, die Vor« nehmen1 plünderte er. So groß war seine Habsucht, daß er sich eiserne Kasten machen ließ, in denen er geprägtes Gold psundweise zusammenhäufte. Man sagt auch, daß er in die Jrrlehren des Pelagius2 verfallen sei. Nicht lange regierte er, da wurde er blöden Sinnes und nahm zum Mitregenten, um die Provinzen zu verteidigen, Tiberius an, einen gerechten Mann, mild gegen die Armen, unparteiisch im Gerichte, siegreich im Streite, und der, was über alle andern Vorzüge geht, ein ganz aufrichtiger Christ war. Es schickte aber damals König Sigibert, um ein Abkommen zu erlangen, Gesandte an Kaiser Justinus, und zwar den Franken Warmar und Firminus von Arvern. Diese gingen zu Schiffe, kamen nach Konstantinopel, sprachen mit dem Kaiser und erhielten, was sie wünschten. Im andern Jahre aber kamen sie nach Gallien zurück.
Hiernach wurden Antiochia in Ägypten3 und Apamea in Syrien, sehr bedeutende Städte, von den Persern genommen und das Volk in Gefangenschast geführt. Damals wurde auch die Kirche des heiligen Märtyrers Julianus von Antiochia durch Feuer zerstört.
Zum Kaiser Justinus kamen damals die persischen Armenier4, brachten eine große Masse gewebter Seidenzeuge, und baten um S. 234 feine Freundschaft, denn sie seien, sagten sie, dem Perserkaiser feind. Es waren nämlich zu ihnen Gesandte des Perserkaisers gekommen, die sprachen: »Des Kaisers Fürsorge wünscht in Er. fahrung zu bringen, ob ihr das mit ihm geschlosseue Bündnis treu bewahren wollt« Und als sie antworteten, sie hielten alles, was sie versprochen hätten, ohne Falsch, sprachen die Gesandten: »Daran wird man erkennen, ob ihr die Freundschaft mit ihm haltet, wenn ihr das Feuer anbetet, gleich wie er es tut.« Und als das Volk antwortete, daß es dies nimmer tun würde, sprach der Bischof, der zugegen war: »Welche Gottheit wohnt denn im Feuer, daß man es anbeten kann? Das Feuer hat Gott nur zum Dienste des Menschen gemacht, mit Zunder wird es entzündet, mit Wasser gelöscht; wenn man es anfacht, brennt es, unterläßt man dies, so erlöscht es.« Da der Bischof dies und Ähnliches sprach, wurden die Gesandten auf ihn wütend, fuhren mit Schimpfreden auf ihn los und schlugen ihn mit Knütteln. Das Volk aber, als es seinen Bischof bluten sah, stürzte auf: die Gesandten los, legte Hand an sie und tötete sie. Deshalb bewarben sie sich, wie wir erzählt haben, um die Freundschaft des erstgenannten Kaisers.
»Die Senatoren«. ↩
Die Lehre des Pelagius (um 400) war besonders gegen das kirchliche Dogma oon der Erbsünde gerichtet. Auf die Meinung, daß Justinus irrgläubig war, gründet sich auch wohl das weitere Urteil Gregors über ihn, da dieser Kaiser sonst als M! SUk0kkkg2VObschon sehr schwacher Fürst geschildert wird. Paulus Diatonus schreibt IlI, 11 nur nach, was Gregor hier und im folgenden von Justinus und Tiberius erzählt. ↩
Es kann nur von Antiochia in Syrien die Rede sein. Jm Jahr 573 wurde Apamea verbrannt und die ganze Gegend bis unter die Mauern von Antiochia verwiistet ↩
Armenien war der Zankapfel zwischen beiden Reichen; seine christlichen Ein« wohner tieigten sich auf die Seite der Byzantinet ↩
