39. Von dem Untergange des Palladius zu Arvern
Palladius, der Sohn des verstorbenen Grafen Britianus und der Eäsaria, erhielt durch König Sigibert die Graffchaft in der Stadt Javols1. Es entspann sich aber zwischen» ihm und dem Bischof Parthenius ein Streit, der das Volk sehr schädigte. Denn häufig überhäufte er den Bischof mit Schmähungen, vielfachen Schimpfreden und Beschuldigungen, verwüstete die Kirchengüter und beraubte die Leute des Bischofs. Und als der Streit immer mehr wuchs, kamen sie vor den gedachten Fürsten und machten hier einander mancherlei Vorwürfe, wobei Palladius den Bischof unter andern einen Weichling und weibischen Menschen nannte. »Wo sind,« sagte er, »deine Buhlen, mit denen du in abscheulicher Unzucht lebst?« Aber diesen Worten, die er gegen den Bischof fprach, folgte alsobald die göttliche Rache und machte sie zufchanden. Denn im folgen« den Jahre wurde Palladius von der Grasschaft entfernt und S. 232 ging nach Arvern zurück. Romanus aber bemühte sich, seine Grafschaft zu erhalten.
Es ereignete sich nun, daß sie eines Tages beide in der Stadt Aroern zusammenstießem und unter sich in Streit übek die Grafschaft gerieten; dabei hörte Palladius, er solle von König Sigibert getötet werden. Dies war ein salsches Gerücht, und es kam nachher an den Tag, daß es besonders von Romanus ausgebreitet worden war. Es ergriff ihn aber eine solche Furcht und Herzensangstz daß er drohte, er wolle sich lieber mit eigener Hand töten. Und obwohl er von seiner Mutter und seinem Schwager Firminus aufmerksam bewacht wurde, daß er nicht ausführen sollte, was er in seinem erbitterten Gemüte sich vorgesetzt hatte, gelang es ihm doch, auf einige Stunden sich den Augen seiner Mutter zu entziehen. Er ging in sein Schlafgemach, zog, als er allein war, sein Schwert aus der Scheide, und richtete sich, indem er den Griff des Schwertes mit den Füßen sesthielt, die Spitze aus die Brust. Daraus stürzte er sich hinein, und das Schwert drang von der einen Brust hindurch bis zum Rückgrat, dann richtete er sich wieder auf und durchbohrte sich auf gleiche Weise auch die andere Brust, sank zusammen und starb. Und daß er dies Berbrechen nicht ohne den Beistand des Teufels vollführte, ist hieraus klar. Denn schon der erste Streich hätte ihn töten müssen, wenn ihm nicht der Teufel die Kraft gegeben hätte, daß er diese Schandtat so vollenden konnte. Ganz außer sich lief die Mutter herbei; ihres Sohnes beraubt, fiel sie über seinen Leichnam hin, und das ganze Haus brach in Klagen aus. Er erhielt in dem Kloster zu Eournon2 ein Begräbnis, doch nicht neben den Leichen der Christen, auch wurde ihm keine Messe gelesen. Es ist augenscheinlich, daß ihn dieses Ende nur wegen seiner Schmähungen gegen den Bischof ereilt hat.
