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Man muss ferner auch das beachten, dass er (Moses) den ersten Menschen, den Erdgeborenen, als den Vater der Menschen vorführt, die bis zur Sintflut gelebt haben, und den, der allein mit seiner ganzen Familie wegen seiner Gerechtigkeit und der übrigen Tugendhaftigkeit aus jenem Verderben gerettet wurde, als den Vater des wiederum sich verjüngenden neuen Menschengeschlechts, diese verehrungswürdige und bedeutsame Dreiheit aber als die Ahnen eines Geschlechts, das „Königreich und Priestertum und ein heilig Volk" (2 Mos. 19,6) in der hl. Schrift genannt wird. Schon der Name kündet dessen Bedeutung; denn in der Sprache der Hebräer wird das Volk „Israel" genannt, was „Gott sehend" bedeutet (Philo deutet in seinen allegorischen Erklärungen Israel als oρών θεον „Gott schauend"; er erklärt nämlich nach einer sonderbaren Etymologie laRVy durch la HaR Vya). Das Sehen vermittelst der Augen ist der schönste unter allen Sinnen, da durch ihn allein die schönsten Dinge, die Sonne, der Mond, der ganze Himmel und die Welt, wahrgenommen werden; aber das Sehen vermittelst des führenden Teils der Seele überragt alle ihn umgebenden Kräfte; das ist die Einsicht, das Auge des Geistes. Wem es aber gelang, nicht bloss alles andere in der Natur wissenschaftlich zu erfassen, sondern auch den Vater und Schöpfer des Alls zu schauen, der mag überzeugt sein, dass er den Gipfel der Glückseligkeit erreicht hat; denn Höheres als Gott gibt es nicht, und wenn einer, das Auge der Seele auf ihn gerichtet, bis zu ihm gelangt ist, so möge er wünschen, dass dieser Zustand dauere und anhalte. Denn die Wege, die hinaufführen, sind mühsam und langsam, der Weg bergab dagegen, auf dem man mehr hinabstürzt als hinabgeht, ist schnell und leicht. Es gibt nun viele Dinge, die uns mit Gewalt hinabziehen; aber sie erreichen nichts, wenn Gott mit seinen Kräften die Seele emporhebt und mit mächtiger Wucht zu sich heranzieht.
