20.
Ich habe jedoch auch naturkundige Männer gehört, die nicht ohne Grund unsere Stelle allegorisch erklären; sie sagen, dass der Mann (Abraham) sinnbildlich den weisen Geist bezeichne, indem sie aus der durch die Übersetzung gewonnenen Bedeutung des Namens auf die gute Sinnesart in der Seele schliessen, während seine Frau, deren Name chaldäisch Sara lautet, auf griechisch aber „Herrscherin", die Tugend bedeute, da nichts zum Herrschen und Begieren geeigneter sei als die Tugend. Eine Ehe aber, die die Wollust zusammenfügt, erzielt nur die Vereinigung der Körper, während die von der Weisheit gegründete die Verbindung von Geistern zustande bringt, die nach Reinheit und vollkommenen Tugenden streben. Die genannten Ehen sind durchaus einander entgegengesetzt. Denn in der körperlichen Ehe zeugt das Männliche und empfängt das Weibliche, in der Vereinigung der Seelen dagegen erzeugt die Tugend, die scheinbar die Stelle des Weibes einnimmt, gute Entschlüsse, weise Reden und Vorschläge von heilsamen Grundsätzen, während der Geist, der angeblich an die Stelle des Mannes gesetzt ist, den heiligen und göttlichen Samen aufnimmt. Oder vielleicht ist das Gesagte falsch, weil die Namen irreführen, da ja in der Sprache der Geist männlichen und die Tugend weiblichen Charakter hat. Wenn man jedoch die verhüllenden Benennungen abstreift und die Dinge nackt und rein sehen will, so wird man erkennen, dass die Tugend ihrer Natur nach männlich ist, insofern sie bewegt, anordnet und schöne Begriffe von schönen Handlungen und Worten erweckt, der Geist dagegen weiblich ist, da er bewegt, unterrichtet und gefördert wird, da er überhaupt ein passives Verhalten zeigt und dieser Zustand allein für ihn heilsam ist.
