18.
Ein Beweis für das Gesagte ist auch der Wechsel und die Veränderung des Namens. Sein ursprünglicher Name war nämlich Abram, später jedoch wurde er Abraham genannt; zwar ist hier lautlich nur ein Buchstabe, das Alpha, verdoppelt (Im Griechischen lauten die beiden Namen Αβραμ und Αβραάμ.), er zeigt aber in bedeutsamer Weise eine Veränderung der Sache und der Anschauung an. Abram nämlich wird verdolmetscht „der hochstrebende Vater", Abraham dagegen „der auserwählte Vater des Tones" (Philo deutet ~rBa als ~r Ba und ~HrBa als (!WmH) ~H rB Ba); der frühere Name bezeichnet den sogenannten Sterndeuter und Himmelskundigen, der sich um die chaldäischen Anschauungen ebenso kümmert wie ein Vater um seine Kinder, der spätere dagegen den Weisen. Mit dem „Ton" nämlich meint die hl. Schrift den ausgesprochenen Gedanken und mit dem „Vater" die leitende Vernunft — denn der in unserem Innern gefasste Gedanke ist seiner Natur nach der Vater des ausgesprochenen, da er der ältere ist und gewissermassen das erzeugt, was zu sagen ist —, mit dem „auserwählten" aber den sittlich guten Menschen; denn unnütz und gemein ist der schlechte Charakter, der gute aber auserwählt und verdienterweise vor allen ausgezeichnet. Für den Himmelskundigen scheint nun gar nichts Grösseres zu existieren als das Weltall, das er deshalb als Ursache alles Werdens annimmt. Der Weise aber, der mit seinen schärferen Augen sieht, dass es noch ein vollkommneres, rein geistiges, herrschendes und führendes Wesen gibt, von dem alles andere beherrscht und geleitet wird, tadelt sich selbst heftig wegen seines früheren Lebens, weil er wie ein Blinder durchs Leben gewandelt, gestützt auf die sinnlich wahrnehmbaren Dinge, die doch ihrer Natur nach unsicher und schwankend sind. Eine zweite Wanderung aber machte der Weise, wiederum einem göttlichen Ausspruch gehorsam, nicht aus einem Staat in den andern, sondern in ein wüstes Land (1 Mos. 12,9), wo er beständig umherirrte, ohne über das Herumschweifen und das dadurch bedingte unstete Leben missvergnügt zu sein. Welcher andere hätte es nicht unangenehm empfunden, wenn er nicht bloss zur Auswanderung aus der Heimat gezwungen, sondern auch aus jedem Staate in unbetretene und unwegsame Gegenden vertrieben wurde? Wer wäre nicht umgekehrt und wieder heimgeeilt, hätte nicht auf Zukunftshoffnungen wenig Rücksicht genommen, wäre nicht schleunigst dem gegenwärtigen Mangel entflohen, hätte es nicht für Torheit gehalten, für unbekannte Güter anerkannte Übel zu wählen? Nur Abraham war offenbar anders geartet, er hielt das Leben ohne die Gesellschaft der grossen Masse für das angenehmste. Und das ist ganz natürlichl. Denn die, die Gott suchen und ihn finden wollen, lieben das von ihm geliebte Alleinsein und sind bemüht, eben darin zuerst dem seligsten und glücklichsten Wesen ähnlich zu werden. Somit haben wir beide Auffassungen erörtert, die buchstäbliche, die sich auf den Mann, und die versteckte (allegorische), die sich auf die Seele bezieht, und haben gezeigt, dass sowohl der Mann als auch der Geist liebenswert ist, der Mann, weil er gehorsam den göttlichen Befehlen aus schwer zu lösenden Banden sich losriss, der Geist, weil er nicht für immer in Selbsttäuschung bei der sinnlich wahrnehmbaren Natur stehen blieb und die sichtbare Welt für die höchste und erste Gottheit hielt, sondern in seinem Denken höher stieg und noch ein anderes Sein, ein besseres als das sichtbare, nämlich das rein geistige wahrnahm und den, der zugleich Schöpfer und Herrscher beider (des sichtbaren und des gedachten Seins) ist.
