16.
Charran heisst nämlich auf Griechisch τρώγλαι (Höhlungen) (Philo leitet !rx von rx (Höhle) ab.), ein symbolischer Ausdruck für die Wohnsitze unserer Sinne, durch die wie durch Öffnungen ein jeder von ihnen hindurchblickt, um die ihm zukommenden Dinge wahrzunehmen. Aber, so kann einer sagen, was nützen diese, wenn nicht ein unsichtbarer Geist wie ein Zauberer von innen seinen Kräften den Ton angibt und dadurch, dass er ihnen bald freien Lauf lässt, bald sie zurückzieht und festhält, seine Zauberkünste jetzt in harmonischer Bewegung und dann wieder in Ruhe zeigt? Wenn du dir dieses Beispiel klar machst, wirst du leicht begreifen, was du gern wissen möchtest. Denn du meinst doch nicht, dass in dir der zum Herrscher eingesetzte Geist es ist, dem die ganze Gemeinschaft des Körpers Gehorsam leistet und ein jeder der Sinne folgt, dass die Welt dagegen, das schönste und grösste und vollendetste Werk, von dem alle übrigen Dinge nur Teile sind, keinen Herrn hat, der sie zusammenhält und gerecht über sie waltet? Dass dieser Herrscher unsichtbar ist, darüber wundere dich nicht, denn auch der Geist in dir ist nicht sichtbar. Wer dies erwägt und nicht aus der Ferne, sondern aus der Nähe, aus sich selbst und seiner Umgebung, Belehrung sucht, der wird klar erkennen, dass die Welt nicht der höchste Gott ist, sondern das Werk des höchsten Gottes und Allvaters, der selbst unsichtbar ist, aber alles offenbart und die Natur der kleinen wie der grossen Dinge deutlich zeigt. Denn mit körperlichen Augen wollte er nicht begriffen sein, vielleicht weil es nicht recht wäre, dass das Sterbliche das Ewige berührt, vielleicht aber auch wegen der Schwäche unseres Sehvermögens; denn nicht könnte es die von dem Seienden ausgehenden Strahlen aufnehmen, da es nicht einmal imstande ist, in die Strahlen der Sonne zu blicken.
