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Als dies von einem aus der Schlacht Entronnenen dem Abraham gemeldet wurde, war er sehr betrübt und konnte in seinem Schmerze nicht ruhig bleiben; er beklagte den lebenden noch mehr als wenn er seinen Tod erfahren hätte; denn er wusste, dass der Tod, wie schon das Wort besagt (Die griechischen Worte für Tod (τελευτή) und Ende (τέλος) gehören zu demselben Stamm.), das Ende aller und zumal der bösen Lebensschicksale ist, dass dagegen sehr viel Unangenehmes den Lebenden droht. Als er sich aber anschickte, die Verfolgung aufzunehmen, um den Bruderssohn zu retten, fehlte es ihm an Bundesgenossen, da er ja ein Fremdling und Ansiedler war und niemand den Mut hatte, der unwiderstehlichen Truppenmacht so vieler Könige, die eben gesiegt hatten, entgegenzutreten. Aber er fand eine neue Art von Bundesgenossenschaft — denn Hilfe findet sich in der Hilflosigkeit, wenn man sich zu gerechten und edlen Werken gedrängt fühlt —; er versammelte nämlich seine Dienerschaft und befahl den für Geld gekauften Sklaven zu Hause zu bleiben, denn er fürchtete ihr Davonlaufen, die im Hause geborenen dagegen musterte er aus und teilte sie in Abteilungen von je 100 Mann und rückte in drei Reihen vor, obwohl er nicht auf diese sein Vertrauen setzte, denn es war nur ein geringer Bruchteil der Heeresmassen der Könige, sondern auf Gott, den Beschützer und Vorkämpfer des Gerechten. Mit der grössten Schnelligkeit eilte er vorwärts und liess nicht nach, bis er den rechten Augenblick abpasste und bei Nacht über die Feinde herfiel, die gerade ihre Abendmahlzeit eingenommen hatten und sich zur Ruhe begeben wollten; einige tötete er auf ihrem Lager, andere, die sich ihm entgegenstellten, schlug er gänzlich nieder, über alle aber trug er einen starken Sieg davon, mehr durch die Kühnheit seiner Seele als durch Waffengewalt. Und nicht eher liess er ab, als bis er das feindliche Heer samt den Königen gänzlich geschlagen und vor dem Lager hingestreckt hatte (Ähnlich ausgeschmückt ist die Erzählung bei Josephus Altert. I § 177: „Nachdem er (Abraham) beschlossen hatte, ihnen zu Hilfe zu kommen, zögerte er nicht, sondern zog eilends heran und überfiel die Assyrer in der fünften Nacht … ; er drang auf sie ein, bevor sie noch zu den Waffen greifen konnten, und tötete die einen; die sich schon niedergelegt hatten, ohne dass sie merkten, was geschah, die andern, die noch nicht zur Ruhe gegangen waren, aber vor Trunkenheit unfähig waren zu kämpfen, wandten sich zur Flucht. (178) Abraham aber verfolgte sie ... ; er lieferte den Beweis, dass der Sieg nicht von der Zahl und Menge der Streiter abhängt, dass vielmehr der entschlossene Mut und die tapfere Gesinnung der Kämpfenden mehr wiegt als die Zahl".). Seinen Bruderssohn aber führte er zurück; und mit dem glänzenden und ausgezeichneten Siege gewann er auch alle Pferde und andere Zugtiere in Menge und unermessliche Beute. Ihn sah bei seiner Rückkehr der grosse Priester des höchsten Gottes sieggekrönt und unversehrt mit seiner unversehrten Mannschaft — denn keinen von seinen Begleitern hatte er verloren —, und erstaunt über die Grösse des vollbrachten Werkes und mit Recht Redenkend, dass ihm dies nicht ohne göttlichen Rat und Beistand gelungen sei, streckte er seine Hände zum Himmel empor, ehrte ihn mit frommen Wünschen, brachte Siegesopfer dar und bewirtete alle, die am Kampfe teilgenommen hatten, glänzend, da er sich mit ihnen ebenso freute wie über eigenes Glück; und es war wirklich sein eigenes, denn „gemeinsam ist" nach dem Sprichwort „das Besitztum der Freunde", ganz besonders das der Guten, die das eine Ziel haben, Gott wohlgefällig zu sein.
