28.
Aber nicht um die Grösse dieses ungewöhnlichen Unglücks zu zeigen, habe ich dies ausführlich erzählt, sondern weil ich feststellen will, dass nach den Worten der hl. Schrift von den drei Männern, die dem Weisen erschienen waren, nur zwei sich in das jetzt verödete Land zur Vertilgung der Bewohner begeben haben, während der dritte es nicht für recht hielt mitzugehen (Auch nach dem Midrasch hatte einer der drei Engel den Auftrag, Sara die Botschaft zu bringen, die beiden andern, Sodom zu zerstören und Lot zu retten. Vgl. Bereschl. R. c. 50 zu 1 Mos. 19,1. Talm. Baba Mezia f. 86b, Josephl. Altert. I § 198.). Dieser war eben nach meiner Auffassung der wahrhaft Seiende, der es für angemessen hielt, das Gute in eigener Person zu gewähren, seinen Kräften dagegen aufzutragen, in seinem Dienste das Gegenteil zu vollbringen, damit er ausschliesslich für den Urheber des Guten, nicht aber für den Urheber irgend eines Übels gehalten würde (S. die Anm. z. „Weltschöpfung« § 75. Vgl. auch Echa R. c 2 zu Echa 2,1. Tanchuma P. Tasria 9 bei Erklärung des Psalmwortes (Ps. 5,5) רָֽע׃.יְגֻרְךָ לֹ֖א) Das tun, wie mich dünkt, auch die Könige, die das göttliche Wesen nachahmen wollen, da sie ihre Gnadenbeweise persönlich darreichen, Bestrafungen dagegen durch andere vollziehen lassen. Da aber von den zwei Kräften die eine die wohltuende, die andere die strafende ist so erscheinen natürlich beide in dem Sodomiterlande, weil von den fünf vornehmsten Städten darin vier verbrannt werden sollten und nur eine frei von allem Bösen und unversehrt bleiben sollte; denn die Zerstörung musste durch die strafende, die Rettung durch die wohltuende Kraft vollzogen werden. Aber da auch der gerettete Teil nicht vollständige und vollkommene Tugend besass, so erhielt er die Wohltat von der Kraft des Seienden, der persönlichen Erscheinung Gottes aber wurde er nicht gewürdigt.
