25.
Es gibt drei Stufen menschlicher Charaktere, und eine jede von ihnen hat eine der erwähnten Vorstellungen zugeteilt erhalten. Die höchste Stufe hat die mittlere (Vorstellung) von dem wirklich Seienden, die zweite stellt sich die rechts stehende „wohltuende" (Kraft) vor, die „Gott" heisst, die dritte die auf der andern Seite stehende „herrschende", die „Herr" genannt ist. Die höchste Charakterstufe dient dem für sich selbst ohne irgend jemand Seienden und lässt sich durch nichts anderes davon abziehen, weil ihr Streben einzig und allein auf die Verehrung des Einzigen gerichtet ist; von den beiden andern tritt die eine dem Allvater nahe und wird mit ihm vertraut durch die wohltuende Kraft, die andere durch die regierende Kraft. Was ich damit meine, ist folgendes. Sobald die Menschen wahrnehmen, dass manche sich ihnen unter dem Verwande der Freundschaft nähern, um Vorteile zu erjagen, blicken sie sie misstrauisch an und wenden sich von ihnen ab, da sie die geheuchelte Schmeichelei und Freundlichkeit wie etwas sehr Schädliches fürchten. Gott aber, der ja keinen Schaden erleiden kann, ruft freundlich alle zu sich, die ihn aus irgendwelchem Grunde ehren wollen, und weist überhaupt keinen zurück; er offenbart vielmehr denen, die Ohren in der Seele haben, gewissermassen folgendes: „Der erste Preis ist für solche ausgesetzt, die mir um meinetwillen dienen, der zweite aber für solche, die es um ihrer selbst willen tun, entweder weil sie Gutes zu erlangen hoffen oder weil sie die Erwartung hegen, Befreiung von Strafen zu finden; denn wenn auch der Dienst der letzteren des Lohnes wegen erfolgt und nicht uneigennützig ist, so bewegt er sich nichtsdestoweniger innerhalb göttlicher Kreise und schweift nicht draussen umher. Für solche nun, die mich um meinetwillen ehren, wird eine Belohnung ausgesetzt sein, wie sie Freunden zukommt; jene, die aus eigennützigen Gründen (mir dienen), erhalten zwar nicht denselben Lohn, aber doch einen solchen, dass sie nicht für Fremde angesehen werden. Denn ich nehme sowohl den freundlich auf, der an meiner wohltuenden Kraft Anteil haben will, um Gutes zu erlangen, als auch den, der aus Furcht meine herrschende und gebietende Macht sich günstig stimmt, um Strafe von sich abzuwenden; weiss ich doch sehr wohl, dass sie nicht schlimmer sondern besser werden, wenn sie in ununterbrochener Gottesverehrung lautere und reine Frömmigkeit üben. Denn wenn auch die Beweggründe sehr verschieden sind, weshalb sie sich Mühe geben mir zu gefallen, so ist ihnen daraus kein Vorwurf zu machen, denn sie haben doch das eine Endziel und den einen Endzweck im Auge, mir zu dienen". Dass aber die dreifache Vorstellung in Wirklichkeit sich auf einen einzigen Gegenstand bezieht, ergibt sich nicht nur aus der allegorischen Betrachtung, sondern auch aus dem Wortlaut der Stelle der Schrift. Denn wie der Weise die drei Männer, die Wanderern gleichen, bittet bei ihm einzukehren, spricht er zu ihnen nicht wie zu dreien, sondern wie zu einem, denn er sagt: „Herr, wenn ich Gunst bei dir gefunden habe, ziehe nicht vorüber an deinem Diener" (1 Mos. 18,3); denn die Worte „Herr", „bei dir" und „ziehe nicht vorüber" sind an einen, nicht an mehrere, gerichtet. Und wie die gastlich Aufgenommenen sich ihrem Gastgeber erkenntlich zeigen, verheisst wiederum einer, wie wenn er allein nur anwesend wäre, die Geburt eines ehelichen Sohnes mit folgenden Worten: „zurückkehren werde ich zu dir übers Jahr um diese Zeit, und dein Weib Sara wird einen Sohn haben" (1 Mos. 18,10).
