Drei und vierzigstes Kapitel.
[Konstantius J. 350.] 1. Also besaß Magnentius die Herrschaft und regierte über die Völker jenseits der Alpen und über Italien.1 Dieser glückliche Ausgang seines Unternehmens erweckte in dem Vetranio, Befehlshaber der Kriegsmacht in Pannonien, die Begierde, das Gleiche zu unternehmen. Durch die Stimme seiner Legionen ward er zum Kaiser ausgerufen,2 und hielt sich in Mursa, einer Stadt in Pannonien, auf. 2. So war die Lage der Dinge in dem Abendlande, als die Perser in den morgenländischen S. 197 Provinzen die Städte verheerten, vornehmlich in Mesopotamien. Wiewohl Konstantius durch den Krieg gegen dieselben geschwächt war3, faßte er doch den Entschluß, sich an Magnentius und Vetranio zu rächen. 3. Indessen er hierauf dachte und mit Zurüstungen sich beschäftigte, Magnentius aber noch in Gallien sich aufhielt, sammelte Nepotianus, Sohn von Konstantinus Schwester, Eutropia, einen Haufen wilder Menschen, welche dem Rauben und einer ausschweifenden Lebensart nachhingen, rückte mit ihnen vor Rom4, und erschien im Purpur als Kaiser. 4. Gegen ihn bewafnete Anicius, welchen Magnentius zum Prätorischen Präfekt ernannt hatte, einige aus dem Volcke und führte sie aus der Stadt. Das Treffen zwischen ihnen ward hitzig; 5. die Römer, unerfahren und zur Ordnung nicht gewöhnt, wurden ohne Mühe zurücke getrieben. Für die Stadt besorgt, ließ der Präfekt bei diesem Anblicke die Thore schließen. 6. An weiterer Flucht gehindert, wurden sie von den nachsetzenden Soldaten des Nepotianus alle niedergemacht. 7. Den Nepotianus aber räumte wenige Tage hernach Marcellinus, Aufseher der Hofämter, S. 198 oder Magister Officiorum, aus dem Wege, als welcher die von Magnentius abgeschickte Kriegsmacht anführte.
Nach Eutropius und Sokrates erkannte auch Africa des Magnentius Herrschaft. ↩
Herr Reitemeier führt in der Anmerkung zu d. St. drei verschiedene Nachrichten von Vetranio’s Erhebung zum Kaiserthrone an. Die Erzählung des Zosimus läßt ihn von den Soldaten ausgerufen werden; ― Julianus sagt, daß Konstantius ihn ernannt habe, um durch seine Hilfe den Magnentius zu besiegen und Philostorgius läßt ihm von Konstantia, Konstantins des Gr. Tochter und Hanniballians Wittwe, das Diadem zusenden. Diese Widersprüche hebt Hr. R. dadurch, daß er annimmt, Vetranio habe zwar nach der Kaiserwürde gestrebt, sey aber durch Konstantius, um ihn von Magnentius zu trennen, zum Schein als Kaiser erkannt und alsdann auf dessen Veranstaltung wieder entthront worden. ↩
Hr. R. führt aus Zonaras B. XIII. an: daß Sapor, Persischer König, durch die Einfälle der Massagetischen Scythen, denen er sich widersetzen mußte, gezwungen wurde, dem Konstans Erholung zu gönnen. ↩
Nach Aurel. Victor K. 42. hatte Nepotianus mit einem Haufen Fechter wirklich Rom inne, und richtete unter dessen Bürgern ein großes Blutbad an. ↩
