Erstes Kapitel.
S. 121 ― ― ― ― 1. weil der Raum zwischen den säkularischen Spielen das längste menschliche Leben ausmacht.1 Denn was der Römer Seculum nennt, heißt bei dem Griechen Aeon. 2. Es dient, um Pestilenzen, Seuchen und Krankheiten zu heilen, und nahm seinen Ursprung aus folgender Veranlassung. Valesius, von welchem das Valerianische Geschlecht stammt, war unter dem S. 122 Sabinervolke sehr angesehen. 4. Vor seinem Hause stand ein Hain von sehr großen Bäumen. Als ein Bliz diese traf und verbrannte, war er in grosser Verlegenheit über dessen eigentliche Bedeutung. 5. Nun überfiel seine Kinder eine Krankheit, 6. welche der Kunst der Aerzte widerstand, und ihn veranlaßte von einem Wahrsager zum andern zu gehen. Diese zogen aus der Art, wie das Feuer vom Himmel gefallen war, die Vermuthung, daß es eine Wirkung vom Zorne der Götter sey; und daher suchte billigerweise Valesius durch Sühnopfer und Vermittlung der Wahrsager die Gottheit zu versöhnen. 7. Weil er aber nebst seiner Gattin in Sorgen war, und mehr, als jemals, den Tod seiner Kinder befürchtete, fiel er vor der Vesta nieder, und gelobte, ihr statt der Kinder, die Seelen zweier Erwachsenen, nämlich seine und seines Weibes. 8. Indem er aber auf den Hain zurückblickte, glaubte er eine Stimme zu hören, die ihm befahl, die Kinder nach Tarent zu führen, und dort Tiberwasser auf den Altären des Pluto und der Proserpine zu wärmen, und den Kindern als Trank einzugeben. 9. Auf diesen Befehl verzweifelte er noch stärker an seiner Kinder Genesung, weil Tarent gar weit in Italien läge, und dorten kein Tiberwasser zu bekommen sey. Ueberdies erweckte ihm das keine S. 123 gute Hoffnung, daß er auf dem Altar unterirdischer Götter das Wasser erwärmen solle.
Man vermuthet nicht ohne Grund, daß unser Geschichtschreiber, indem er des Diocletianus Ehrfurcht gegen die Götter lobprieß, von daher den Anlaß genommen, die säkularischen Spiele zu beschreiben, welche dessen Nachfolger zum Nachtheile des Reiches, zu feiern verabsäumt hätten. Übrigens ist außer Valerius Maximus, in dictor. factor. memorabil. L. 2. Cap. 4. unser Verfasser der einzige unter den noch vorhandenen Schriftstellern des Alterthums, welcher die Ueberlieferung von der Entstehung dieses merkwürdigen Fests uns ausführlich hinterlassen hat; ― ein Umstand, der den Liebhabern der Römischen Alterthümer und Sitten, nicht gleichgültig seyn kann. Am Ende der ganzen Erzählung wird die hier und da etwas veränderte Ueberlieferung, welche wir beim Valerius Maximus lesen, nebst den Epochen der säkularischen Spiele, so viele wir aus der Römischen Geschichte anführen können, mitgetheilt werden. ↩
