Eilftes Kapitel.
[Konstantinus u. Licinius J. 311.] 1. Während er damit umgieng, ernannte Maximianus Gallerius den Licinius, den er aus alter Freundschaft dazu tauglich achtete, zum Kaiser,1 2. in der Absicht, sich dessen zum Kriege gegen den Maxentius zu bedienen. In diesen Unternehmungen starb aber Gallerius an einer tödtlichen Wunde, und S. 141 also behielt Licinius die Herrschaft. 3. Herkulius Maximianus aber, der, wie schon gemeldet, die Regierung wieder an sich zu ziehen versuchte, gab sich Mühe, die Soldaten dem Maxentius abgeneigt zu machen. 4. Als hingegen dieser durch Geschenke und flehentliches Bitten dieselben sich ergeben erhielt, so versuchte er auch dem Konstantinus durch dessen Soldaten2 nachzustellen; 5. Fausta aber merkte dieses Vorhaben, und entdeckte es dem Konstantinus. Das Mislingen aller seiner Versuche stürzte den Herkulius in Verzweiflung und in eine Krankheit, die in der Gegend von Tarsus seinem Leben ein Ende machte.3
Sonst geschah die Ernennung zum Kaiser, seitdem der Cäsar- und Augustus-Titel Stufen von Ansehen und Macht waren, nicht auf Einmal; indem die Ernennung zum Cäsar als der niedern Stufe vorangieng und die Augustus-Ernennung in einem Zwischenraum folgte. Licinius aber wurde nach fast einstimmigem Zeugnisse auf Einmal Cäsar und Augustus. Durch Licinius Ernennung waren sechs Kaiser auf Einmal: Im Westen Konstantinus, Maxentius und Maximianus Herkulius, wiewohl uneigentlich dieser; in Osten Galerius, Maximinus und Licinius. ↩
Welche er zum Abfall von Konstantin gereizt hatte oder noch zu bewegen suchte. ↩
Zosimus vermischt hier den Tod des Maximinus (K. 17.) mit dem des Maximianus Herkulius. Dieser flüchtete sich beim Mislingen seines angezettelten Aufruhrs nach Marseille, dessen Besatzung ihn an Konstantin, seinen Schwiegersohn, auslieferte, der ihn zum Tode verdammte und freie Wahl der Todesart gestattete. Er ließ sich die Adern öffnen. J. Chr. 311. Nach Andern erhing er sich. ↩
