Zehntes Kapitel.
[Gallerius u. Konstantinus J. 307.] 1. Auf die Nachricht hiervon schickte Maximianus Gallerius den Cäsar Severus ab, um den Maxentius zu bekriegen. Aus Mailand rückte er mit den Maurischen Völkern aus; 2. allein Maxentius, der dessen Soldaten größtentheils mit Gelde bestochen, und den Obersten der Prätorianer, Anullinus, auf seine Seite gebracht hatte, behielt die Oberhand. 3. Severus floh nach der vesten und volkreichen Stadt Ravenna, welche hinreichend Lebensmittel für ihn und sein Heer hatte. 4. Maximianus Herkulius, der diese Vorfälle erfuhr, gerieth wegen seines Sohns Maxentius in Besorgnisse, und verließ Lukanien, worinn er damals sich aufhielt, und eilte nach Ravenna. 5. Weil er aber einsah, daß man den Severus nicht zwingen könne, dasselbe zu verlassen, weil es feste und mit hinlänglichen Lebensmitteln versehen war, so hintergieng er ihn durch Eidschwüre, und beredete ihn, nach Rom zu kommen. 6. Auf der Reise dahin wurde er an einem Platze, Tres Tabernä1 genannt, von S. 139 einem, durch den Maxentius ausgestellten Hinterhalte, ergriffen und erdrosselt. 7. Aufgebracht über diese Behandlung des Cäsar Severus, beschloß Maximianus Gallerius, aus dem Morgenlande einen Zug nach Rom, um den Maxentius nach Verdienst zu züchtigen. Allein bei seiner Ankunft in Italien ward er eine Abneigung der Soldaten gegen sich gewahr, und kehrte deswegen, ohne in ein Treffen sich einzulassen, in den Orient zurück. 8. Indessen ward auch Maximianus Herkulius über die Verwirrungen im Staate verdrüßlich, und begab sich zu Diokletianus, der damals in Karnutum, einer gallischen2 Stadt, sich aufhielt; 9. und suchte ihn zu bereden, die Kaiserherrschaft wieder anzunehmen, und nicht zu gestatten, daß das von ihnen so lange und so mühsam gerettete Reich durch unsinnige Jugend und den Unverstand derer, die sich zur Herrschaft dringen, zerrüttet würde. Allein Diokletianus, welcher Ruhe der Verwaltung von Staatsgeschäften vorzog, vielleicht auch als ein Götterverehrer die künftige Verwirrung im Staate voraussah, gab dessen Bitten nicht nach; weswegen Herkulius, der schon bis Ravenna gekommen war, wiederum zu den Alpen zog, um mit dem dort sich aufhaltenden Konstantinus, sich zu unterreden. Von Natur unruhig und treulos, S. 140 versprach er diesem seine Tochter Fausta zur Gemahlin, und nachdem er sein Versprechen erfüllt hatte, suchte er ihn in trügerischer Absicht dahin zu bereden, daß er den aus Italien abziehenden Gallerius Maximianus verfolgen, und dem Maxentius heimlich nachstellen solle. 12. Als er den Konstantinus dazu beredet hatte, verließ er ihn, und trachtete also die Herrschaft wiederum zu erhalten, weil er hofte, seinen Eidam Konstantinus und seinen Sohn Maxentius mit einander zu entzweien.
Wahrscheinlich nicht das Tres Tabernä, so nicht weit von Forum Appii an der Appischen Straße lag; sondern ein anderes, das zwischen Ravenna u. Rom liegen mußte. Uebrigens darf hier nicht unbemerkt bleiben, daß dieser Krieg und die Todesart des Severus verschiedentlich erzählt wird. Gewaltsam war sein Tod immer. ↩
Da Diokletianus sich in der Provinz Illyrien, nicht in Gallien, nach seiner Abdankung aufhielt, und Ammianus 30, 17. Karnutum eine Illyrische Stadt nennt, so hat Zosimus hier geirrt. ↩
