Funfzigstes Kapitel.
S. 209 1. Magnentius, der indessen näher an Mursa gerückt war, legte Feuer an die Thore, um wenn das Eisen, womit das Holz bedeckt war, verzehrt und dieses gleichfalls zerstört seyn würde, seinem Heere den Eingang zu öfnen. 2. Aber auch dieses gelang ihm nicht, weil man von der Mauaer herab das Feuer mit einer Menge Wassers löschte. 3. Auf die Nachricht vom Anrücken des Konstantius ersann Magnentius eine andere List folgender Art. Es war eine Rennbahn außerhalb der Stadt vormals zu Uebungen im Kämpfen bestimmt, auf allen Seiten mit Holz bedeckt. 4. In diese verbarg er vier Gallische Kohorten mit dem Befehl: sobald als Konstantius mit den Völkern vor der Stadt sich in ein Treffen einlassen würde, sollten sie den Feind unvermuthet angreifen, damit derselbe in die Mitte genommen, und gänzlich aufgerieben würde. 5. Diese Anordnung wurden die Belagerten von der Mauer her gewahr, worauf Konstantius sogleich die zween Tribunen, Scolidoas und Manadus, abordnete. 6. Diese besetzten mit den auserlesensten schwer bewafneten Soldaten und Bogenschützen ihres Heers alle Ausgänge der Rennbahn; 7. machten sich zugleich Meister von allen Treppen derselben, schlossen die Kohorten überall in der Rennbahn ein, und schossen sie mit Pfeilen nieder. 8. Doch versuchten es einige mit Schilden gedeckt, die Thüren der Rennbahn aufzusprengen: S. 210 aber auch über diese fielen sie her, und rieben sie endlich mit Pfeilschüssen und Säbelhieben alle auf. 9. Auf solche Art gelang dem Magnentius sein Anschlag nicht, und seine List nahm einen für ihn widrigen Ausgang. 10. Die beiderseitigen Heere wurden hernach auf der Ebene von Mursa handgemein und es begann ein Treffen, dergleichen nicht leicht in diesem Kriege eins so heftig gewesen; denn es fielen auf beiden Seiten sehr viele.
