Zwölftes Kapitel.
1. Glücklich der Nachstellung entgangen, glaubte Maxentius, die Herrschaft feste zu besitzen, und schickte Abgeordnete nach Afrika und Karthago, um dorten sein Bildniß umher zu tragen. 2. Die1 S. 142 dortigen Kriegsheere verhinderten dieses aus einem wolwollenden Andenken an Gallerius Maximianus. Als sie aber merkten, daß, dieser Widersezlichkeit halben, Maxentius sie mit Kriege zu S. 143 überziehen im Begriff stehe, so zogen sie sich nach Alexandrien, 3. stießen aber auf zahlreiche Schaaren, denen sie keinen Widerstand zu leisten vermochten, und seegelten nach Karthago zurück. Aufgebracht hierüber, wollte Maxentius einen Seezug nach Afrika unternehmen, um diese Verbrechen zu bestrafen. 4. Allein die opfernden Wahrsager kündigten das Ungünstige der Opfer an, und nicht nur deswegen verschob er die Abfahrt, sondern auch aus Besorgnis, Alexander, welcher S. 144 die Stelle eines Statthalters von Afrika verwaltete, möchte sich widersetzen. Um nun für seine Ueberfahrt aus Italien nach Afrika sich von aller Besorgniß frei zu machen, wandte er sich an Alexandern, und verlangte von demselben die Ueberlieferung seines Sohnes als Geisel. 5. Dieser Sohn Alexanders war schön und in der Blüte der Jugend; weshalb der Vater aus Argwohn, der Kaiser fordere denselben nicht, um ein Unterpfand zu haben, sondern zu treulosen Handlungen, die zu diesem Zwecke Abgeordneten abwies. 6. Maxentius schickte aber hernach andere, denselben umzubringen, welche Nachstellung durch Verrätherei kund ward, 7. und den Soldaten bequemen Anlaß gab, abzufallen, und dem Alexander den Purpur umzulegen; einem Manne, der von Geburt ein Phrygier, furchtsam und unbeherzt, auch bei jeder Unternehmung zögernd, überdies auch bei hohen Jahren war.
Nach damaliger Sitte zum Zeichen seiner Oberherrschaft. Dieser Versuch, Afrika sich zu unterwerfen, wird von Zosimus nach dem Tode des Gallerius gesezt, welches daraus erhellet, daß er erzählet, die afrikanischen Legionen hätten aus wohlwollendem Andenken an Galerius ― von welchem Maxentius als Anmaßer war angesehen und bekriegt worden ― sich geweigert denselben anzuerkennen. Dennoch scheint Zosimus darin zu irren, denn die Unternehmungen des Maxentius auf Afrika haben sicherlich mehr Zeit erfordert, als zwischen Gallerius im May 311. erfolgten Tod und dem Kriege, den ersterer erst nach den geendigten afrikanischen Unternehmungen gegen Konstantin anfing und der wenigstens in den Anfang des Jahres 312. zu setzen, verflossen ist. Ueberhaupt ist in den bisherigen Erzählungen Mangel an Ordnung und Zusammenhang sichtbar; und es müssen nach Hrn. Reitemeiers Angabe, die wichtigsten Begebenheiten, der wahrscheinlichsten Zeitfolge nach, also geordnet werden: Als Konstantin im Jahr 306. seinem Vater als Kaiser folgte, warf Maxentius, von Neid und Ehrgeiz getrieben, sich zu Rom zum Kaiser auf (K. 9.). Severus, welcher im folgenden Jahre 307. auf Gallerius Befehl einen Kriegszug nach Italien unternommen, denselben vom Thron zu stürzen, war unglücklich, ließ sich aus Ravenna locken und kam durch Treulosigkeit des Maximianus Herkulius, Vaters des Maxentius, um. Begierde nach der Herrschaft trieb nunmehr den Maximianus an, den Diocletian zu vermögen, die Herrschaft wieder anzutreten. Von Diocletian, den er hierzu abgeneigt fand, begab er sich (K. 10.) nunmehro zu Konstantin, seinem Schwiegersohn in Gallien. Da inzwischen Gallerius (K. 10.) in seinem Feldzug gegen Maxentius nicht glücklicher war als Severus, kehrte Maximianus zu seinem Sohn zurück und versuchte umsonst, dessen Legionen zum Abfall zu bewegen, und durch deren Hilfe wieder Kaiser zu werden (K. 11.). Licinius wird von Gallerius zum Mitregenten angenommen (K. 11.). Maxentius sicher vor den Unternehmungen seiner Gegner, sucht sich Afrika zu unterwerfen, wo sich die Anhänger des Gallerius, an deren Spitze Alexander als dessen Statthalter gewesen zu seyn scheint, zu ihrer Sicherheit vergebens Alexandriens zu bemächtigen suchten; worauf er von Alexandern die Auslieferung seines Sohnes als Geisel scheint verlangt zu haben. Inzwischen erfolgte im Jahr 310. seines Vaters Maximianus H. Tod (K. 11.), und Gallerius starb auch 311. (K. 11.), worauf erst aller Wahrscheinlichkeit zufolge, wie mich wenigstens dünkt, Alexander, vormals des Galerius treuer Statthalter, den Purpur angenommen; Maxentius aber durch des Galerius Tode noch sicherer, die Bezwingung von Afrika vollendet haben mag. ↩
