Drei und funfzigstes Kapitel.
1. Da nun Konstantius in der Schlacht Sieger blieb, und die Soldaten des Magnentius schon offenbar die Flucht nahmen, entstand ein großes Gemetzel von Menschen, Pferden und andern Lastthieren. 2. Magnentius gab alle Hofnung auf, und weil er befürchtete, von dem Reste seiner Soldaten an den Konstantius ausgeliefert zu werden, faßte er den Entschluß, Pannonien zu verlassen und sich eilends nach Italien zu begeben, dorten ein neues Heer zu sammeln, und es noch auf eine Schlacht ankommen zu lassen. 3. Nachdem er aber erfuhr, daß Rom es mit dem Konstantius halte, entweder aus Haß gegen ihn, oder auf die Nachricht vom Ausgange der Schlacht, gedachte er über die Alpen zu gehen, und bei den dortigen Völkerschaften sich einsweilen um Schutz umzusehen. 4. Er erfuhr aber, daß auch die Barbaren in den Rheingegenden von Konstantius, vermittelst großer Geschenke, gegen ihn eingenommen seyen, daß die Gallier, durch einige Feldherren auf die Seite seines Gegners gebracht, ihm den Eingang unmöglich gemacht hätten; und daß er auch nicht einmal durch das westliche Spanien nach Mauretanien hinüberkommen könne, weil Konstantius auch die dortigen Bundesgenossen zur Ergebenheit gegen sich S. 213 bewogen hätte. Auf allen Seiten demnach in Verlegenheit, zog er einen freiwilligen Tod einer schimpflichen Rettung vor, und wollte lieber durch eigene, als durch Feindes Hände sein Leben verlieren.1
Als Magnentius im Jahre 351. in der Schlacht bei Mursa überwunden war, floh er, ohne von Konstantius verfolgt zu werden, nach Italien, verließ aber dasselbige im folgenden Jahre, befestigte die Pässe der Alpen und überließ sich zu Aquileja den Wollüsten. Auf die Nachricht aber, daß von den im Frühling gegen ihn ausgezogenen Truppen des Konstantius, ein Kastell auf den Alpen eingenommen worden, eilte er aus der Stadt dem Feinde entgegen, lieferte demselben bei Padua ein anfänglich glückliches Treffen, ward aber durch den für seine Feinde günstigen Ausgang genöthigt, Zuflucht in Gallien zu suchen, gegen dessen Einwohner er wüthete. ― Unterdessen schickte Konstantius Flotten ab, von welchen eine zur Besetzung von Afrika und Karthago, eine andere nach Spanien und Sicilien bestimmt war. Endlich wurde Magnentius im Jahr 353. von Konstantius Feldherren, in einer Schlacht in den Cottischen Alpen ― vorwärts vom heutigen Piemontesischen ― überwunden, worauf er sich zu Lion voller Verzweiflung, weil ihn sein Heer an Konstantius ausliefern wollte, selbst entleibte.
Den Ausgang von Magnentius Geschichte erzählt Zosimus etwas zu oberflächlich: daher Herr Reitemeier in seiner Anmerkung zu diesem Kapitel aus Julian. Orat. 1. und 2. nach folgende Berichtigungen giebt: ↩
