Sechzehntes Kapitel.
S. 148 1. Konstantinus rückte mit seinem Kriegsheere vorwärts, und schlug in einem offenen, für die Reuterei bequemen Felde vor Rom ein Lager.1 2. Maxentius aber schloß sich in die Stadt ein, brachte Opfer den Göttern, forschte von Wahrsagern den Ausgang des Kriegs, und schlug die Sibyllinischen Weissagungen nach. 3. Hier fand er einen Orakelspruch: daß derjenige, welcher die Römer ins Unglück bringe, eines jämmerlichen Todes sterben müsse. Diesen Ausspruch deutete er auf sich, als wenn er die Feinde Roms, welche dasselbe zu erobern gedächten, abtreiben würde. 4. Der Ausgang aber zeigte den wahren Sinn. Denn als Maxentius seine Schaaren vor die Stadt hinaus führte und über die von ihm selbst errichtete Brücke zog, so flogen Nachteulen in unendlicher Menge herab, und erfüllten die Mauer. 5. Auf diesen Anblick gab Konstantinus den Seinigen Befehl sich in Schlachtordnung zu stellen. 6. Wie nun die beiden Flügel des Heers gegen einander standen, ließ Konstantinus die Reiterei vorrücken, die durch ihren Angrif die feindliche niederwarf. 7. Nun rückte auch das Fußvolk auf gegebenes Zeichen, in Ordnung gegen den Feind vor. 8. In der Hitze des Treffens S. 149 aber bewiesen sich die Römischen und Italischen Völker zaudernd in der Gefahr, weil sie der harten Tyrannei los zu werden wünschten; 9. von den übrigen Soldaten hingegen fiel eine unbeschreibliche Menge, die von den Reitern zertreten, oder vom Fußvolk niedergemacht wurden. 10. So lange noch die Reiterei Stand hielt, schien Maxentius noch Hofnung zu haben; als aber auch diese wich, ergriff er mit dem Reste die Flucht, über die Brücke der Stadt zueilend. Allein das Holzwerk vermochte nicht, die Last zu tragen, und brach; also daß nebst vielen andern Maxentius vom Strom fortgerissen wurde.
Auf seinem Marsch von den Alpen nach Rom zu, hatte Konstantin schon zweimal die Truppen des Maxentius, nämlich, bei Turin und Verona, geschlagen. ↩
