Drittes Kapitel. Verschiedene Anstalten und Gesetze des neuen Kaisers. ― Seine Rüstungen gegen die Barbaren.
1. In dieser Lage der Sache beschloß Valentianus, das Reich mit seinem Bruder zu theilen, und ihm das Morgenland bis Aegypten, Bithynien und Thracien hin zu überlassen, für sich selbst aber, nach Uebernahme der Städte in Illyrien, nach Italien zu gehen, und die Städte dieses Landes, nebst den Völkern jenseits der Alpen, Iberien und die Insel Britannien und ganz Lybien unter S. 6 seiner Herrschaft zu behalten. 2. Nachdem nun das Reich also getheilt war, trat Valentian die Regierung mit Nachdruck an, sezte die obrigkeitlichen Personen mit Würde ein, und war strenge in Eintreibung der Abgaben und in den von jenen Ländern abzureichenden Lieferungen für die Soldaten. 3. Und weil er beschlossen hatte, auch einige Gesetze einzuführen, fieng er gleichsam im Inneren der Häuser an, verbot nächtliche Opfer zu bringen, und wollte durch dieses Gesez mancherlei schändlichen Handlungen1 steuern. Als aber S. 7 Prätextatus, der die Würde eines Proconsuls in Griechenland verwaltete, ein in allen Tugenden sich auszeichnender Mann, vorstellte: dieses Gesez werde den Griechen das Leben verbittern, wenn ihnen verboten würde, diejenigen Mysterien,2 die das Band des menschlichen Geschlechts knüpften, nach ihren Gebräuchen zu feiern; so erlaubte er, daß das Gesez ruhete,3 doch sollte alles nach den alten Sitten der Voreltern gehalten werden. ―
5. Am Rheine hatten die Barbaren, so lange Julian lebte, den Römischen Namen gefürchtet, und waren zufrieden, wenn sie niemand in ihrem Lande beunruhigte. Als aber sein Tod bekannt wurde, erhuben sie sich alsbald aus ihren Wohnungen, und rüsteten sich zum Kriege gegen die Römer. 6. So bald Valentinianus dieses erfuhr, so zog er, wie natürlich, Fußvolk,4 Reiterei und leichte Völker zusammen, verwahrte auch die am Rhein gelegenen Städte mit den nöthigen Besatzungen. 7. Diese Anstalten traf Valentianus, dem es an kriegerischer Erfahrung nicht fehlte.
Der Herausgeber des Textes war anfangs versucht, μυστικῶς [mystikōs] statt μυσαρῶς [mysarōs] zu lesen, verwarfs aber in dem Kommentar, und zwar mit Recht. Unter den schändlichen Handlungen, denen der Kaiser entgegen arbeiten wollte, sind die in jenen Zeiten herrschenden Zaubereien zu verstehen. „Man glaubte damals ― sagt Gibbon S. 139. ― die Wirklichkeit der Magie, die im Stande seyn sollte, die ewige Ordnung der Gestirne und die willkührlichen Wirkungen des menschlichen Geistes zu unterbrechen. Man fürchtete die geheime Macht, von Worten und Bezauberungen, von wirksamen Kräutern und schauderhaften Gebräuchen, welche das Leben rauben oder widergeben, die Leidenschaften der Seele entflammen, die Werke der Schöpfung verheeren, und aus dem Munde der widerspenstigen Dämonen die Geheimnisse der Zukunft erpressen konnten.“ Gegen diesen Unsinn hielt Valentinian seine Gesetze für hinreichend ― wie wenn sichs befehlen ließe, man solle dumm oder vernünftig seyn ― statt, Anstalten zum besseren Unterrichte des Volks zu machen! ↩
Vermuthlich sind hier die Eleusinischen zu verstehen, und der Gesichtspunkt, aus welchem der Verf. der Mythologie der Griechen und Römer (S. 179. den dritten Ausg. 1797.) die Eleusinischen Geheimnisse darstellte, mag wohl nicht ganz ungegründet seyn. ↩
Wahrscheinlich nur für Griechenland. ↩
Schwerbewaffnete. ↩
