Drei und funfzigstes Kapitel. Uebermuth des Arbogastes gegen den Valentinianus.
l. Indem dieses sich ereignete, lief Nachricht vom Tode des Valentinianus ein. Er kam auf folgende Art um. 2. Arbogastes, der von dem Volke der Franken abstammte, wurde vom Kaiser Gratianus zum Unterfeldherrn des Baudo ernannt. Nach S. 91 dessen Tode legte er sich selbst, im Vertrauen auf seinen unternehmenden Geist, die Feldherrnstelle bei, die ihm der Kaiser nicht gab. Da er nun den ihm untergeordneten Soldaten diese Stelle wegen seiner Tapferkeit, Kriegswissenschaft und Verachtung des Reichthums zu verdienen schien, so gelangte er zu großer Macht. Ja er setzte sich in solches Ansehen, daß er freimüthig mit dem Kaiser redete, und nichts zugab, wovon er glaubte, es sey nicht recht oder schicklich. 3. Valentinianus, der dieses nicht wohl ertragen konnte, sträubte sich zwar darwider, richtete aber nichts aus. Denn Arbogastes hatte sich durch die Zuneigung aller Soldaten gestärkt. 4. Als es aber der Kaiser nicht länger auszustehen vermochte, ihm unterworfen zu seyn, und, einst auf dem Throne sitzend, den Arbogastes sich nähern sahe, blickte er ihn zornig an, und gab ihm eine Schrift, wodurch er ihn seiner Stelle entsetzte. 5. Der Feldherr las sie, und antwortete: „Du hast mir die Anführung nicht gegeben, und wirst sie mir auch nicht nehmen können!“ Mit diesen Worten zerriß er die Schrift, warf sie auf die Erde, und entfernte sich. 6. Von izt an wurde der Verdacht nicht mehr in der Stille gehegt, sondern die feindselige Gesinnung gegen einander jedermann bekannt. 7. Valentinianus schrieb häufige Briefe an den Theodosius, worinnen er ihm den Uebermuth des Mannes gegen den Thron berichtete, ihn um Hülfe bat, und schwur, zu ihm zu eilen, wenn er nicht aufs geschwindeste zu Hülfe S. 92 käme. 8. Arbogastes, der sich bedachte, was zu thun sey, faßte folgenden Entschluß.
