Drei und zwanzigstes Kapitel. Sebastianus wird Oberfeldherr ― Seine glücklichen Anstalten ― er wird verleumdet.
S. 38 [J. 377.] 1. Sobald Valens es erfuhr, wählte er den Mann, dessen vortreffliche Einsichten im Kriege und in Staatssachen er kannte, zum Feldherrn, und vertrauete ihm die Führung des ganzen Kriegs an. 2. Da er nun bedachte, wie weichlich und gänzlich sorglos die Tribunen und Soldaten, wie sie nur zur Flucht geübt waren, und weibische und armseelige Gelübde thaten; so bat er, man möchte ihm zweitausend Soldaten überlassen, die er selbst wählen dürfte. 3. Denn eine Menge zügelloser Menschen anzuführen, sey nicht leicht, hingegen nicht so schwer, wenige zu bilden, und von dem Weibischen zur Männlichkeit zurückzuführen; überhaupt vortheilhafter, es mit einer kleinen Anzahl, als mit der ganzen Menge zu wagen. 4. Er überzeugte den Kaiser, und wählte nun, die er wünschte, nicht aus solchen, die zur Feigheit gebildet und zur Flucht geübt, sondern einige, die kürzlich in die Musterrolle eingeschrieben waren, sich durch guten Wuchs auszeichneten, und überdies, so viel man muthmassen konnte, zu demjenigen tüchtig schienen, wozu sie gewählt wurden. 5. Alsbald prüfte er daher eines jeden Beschaffenheit, und ergänzte das Fehlende durch anhaltende Uebungen, lobte und belohnte mit Geschenken die Gehorsamen, gegen die Ungehorsamen aber zeigte er sich heftig und unerbittlich. 6. Nachdem er seine Leute so in jeder S. 39 Kriegskenntnis geübt hatte, besetzte er die ummauerten Städte, und sorgte hauptsächlich für die Sicherheit des Heers. 7. Nun griff er die umherschwärmenden Barbaren durch beständige Ueberfälle an, fand sie bald mit Beute beschwert, hieb sie nieder, und bemächtigte sich der Beute wieder; bald tödtete er sie, wenn er sie in der Trunkenheit, oder in Flüssen badend, überfiel. 8. Da er durch dergleichen Kriegslisten eine Menge der Barbaren vertilgt hatte und der Rest, aus Furcht vor dem Feldherrn, nicht mehr auf Fütterung ausgieng, so erhub sich großer Neid gegen den Sebastianus, und dieser Neid erzeugte Haß. 9. Daher verleumdeten ihn nun diejenigen, die ihre Befehlshaberstellen verloren hatten, bei dem Kaiser, und ermunterten dazu die Eunuchen an dem Hofe. 10. Indem nun Valens sich von einem unvernünftigen Mißtrauen einnehmen ließ, eröffnet ihm Sebastianus, er möchte bleiben, wo er war, und nicht weiter vorrücken. Denn es sey nicht leicht, mit einer solchen Menge einen offenen Krieg zu führen, sondern man müsse die Zeit durch Ueberfälle und geheime Angriffe hinzubringen suchen, bis der Feind aus Verzweiflung wegen Mangel an Lebensmitteln entweder sich ergeben, oder von den Römischen Gränzen weiche, und sich lieber den Hunnen, als dem kläglichen Untergange aufopfere, der den Hunger zu begleiten pflege.
