Siebzehntes Kapitel. Valentinianus geht nach Pannonien, und stirbt vor Zorn.
1. Die erhaltenen Nachrichten waren dem Valentinianus sehr unangenehm. Daher brach er aus Gallien auf, und begab sich nach Illyrien, um sich wegen des Kriegs gegen die Quaden und Sarmaten zu berathschlagen. Hier machte er den Merobaudes, von dem man urtheilte, er habe vor andern große Kriegserfahrung, zum Befehlshaber des ganzen Heers. 2. Noch während des Winters, der ausserordentlich lange anhielt, schickten die Quaden eine Gesandtschaft mit sehr überspannten Anträgen1. Darüber zürnte S. 29 Valentinianus, und durch den Zorn, der beinahe in Wuth übergieng, schoß ihm das Blut in den Mund, und verstopfte den Schlund, [J. 375.] daß er starb, nachdem er in Illyrien neun Monate, weniger etliche Tage, verweilt, und bis ins zwölfte Jahr regiert hatte.
Ammian – und mit ihm Gibbon – sagen das Gegentheil: die Gesandten seyen sehr demüthig gewesen etc. Die Worte des Textes heißen: λόγους ὑπὲρ τὸ μέτριον φέροντας [logous hyper to metrion pherontas]. Vielleicht ist durch die Ähnlichkeit der lezten Sylbe in λόγους die Part. οὐχ ausgefallen, „ihre Anträge waren nicht überspannt,“ oder hat sie der Abschreiber absichtlich ausgelassen, weil er, wenn ihr Antrag gemäßigt war, sich nicht erklären konnte, warum Val. sich darüber zu Tode ärgerte. ↩
