Fünf und funfzigstes Kapitel. Anstalten des Theodosius zum Kriege gegen den Arbogast. ― Tod des Richomer.
1. Als dieses alles dem Theodosius zu gleicher Zeit gemeldet wurde, setzte Galla, seine Gattin, die ihren Bruder betrauerte, den ganzen Hof in Bestürzung. Auch der Kaiser selbst wurde von Traurigkeit und Kummer ergriffen, als er einen Mitgehülfen des Reichs verlor, der noch jung und durch Verwandtschaft mit ihm verbunden war: überdies, weil ers auch mit Männern zu thun hatte, die feindseelig gegen ihn gesinnt, und sowohl wegen der mit Kühnheit gepaarten Tapferkeit des Arbogastes als wegen der mit Gelehrsamkeit verbundenen Tugenden des Eugenius unbezwinglich waren. 3. Ob er nun gleich öfters von S. 94 diesen Umständen sprach, und sie in seinen Gedanken überlegte, beschloß er doch, alles für die Sache zu wagen, und machte Zurüstungen zum Kriege. 4. Die Reiterei dachte er dem Richomer anzuvertrauen, einem Manne, dessen Tapferkeit in vielen Kriegen bewährt war; über die anderen Legionen aber andere Befehlshaber zu setzen. 5. Als Richomer gerade zur Zeit der Berathschlagung über diese Sache sein Leben durch eine Krankheit endigte, mußte er eine andere Wahl der Feldherren vornehmen. 6. Während nun diese durch die Entschließung des Kaisers entschieden werden sollte, meldete man eine Botschaft von Seiten des Eugenius, die den Theodosius befragen sollte, ob er seiner Regierung Beifall gebe, oder seine Erhebung nicht anerkenne? 7. Den Auftrag dieser Verrichtung hatte Rufinus, ein Athener, der aber weder Briefe von Arbogastes brachte, noch seiner überhaupt erwähnte. 8. Indessen der Kaiser zögert, den Antrag zu untersuchen, und den Gesandten gehörig zu antworten, ereignete sich ein anderer ähnlicher Vorfall.
