Fünftes Kapitel. Anfang und erster Fortgang des Aufruhrs des Prokopius.
1. Indem er sich nun in dieser Stadt aufhielt, sandten die zu Kaisern gewählten Valentinianus und Valens, die schon vorher mistrauisch gegen ihn waren, alsbald Männer ab, ihn gefangen zu nehmen. 2. Er ergab, und überließ sich ihnen, wohin sie ihn führen wollten: nur sollten sie ihm gestatten, vorher mit seiner Gattin zu reden, und seine Kinder1 zu sehen. 3. Als sie es nun zugaben, bereitete er eine Mahlzeit, und eilte, so bald er sie trunken sah, mit allen den Seinigen nach dem schwarzen Meere, bestieg daselbst ein Schiff, und gieng nach dem Taurischen Chersonesos über. 4. Hier verweilte er eine Zeitlang, bemerkte aber, daß die Einwohner kein Vertrauen verdienten, und fürchtete, er möchte denen, die nach ihm ausgeschickt würden, überliefert werden. Als er daher ein Frachtschiff vorbeifahren sah, vertraute er sich und die Seinigen demselben an, und erreichte Konstantinopel in der Nacht. 5. Hier kehrte er bei jemanden ein, den er aus ehemaligem Umgange kannte, erforschte die Gesinnungen der Stadt nach S. 10 der Abreise des Kaisers, und beschloß einen Versuch auf die Alleinherrschaft. Den Anfang desselben machte er also: 6. Es war ein gewisser Eunuche, Namens Eugenius, der erst kürzlich vom kaiserlichen Hofe verstoßen und daher gegen die Herrscher nicht gut gesinnt war. Ihn machte Prokopius zu seinem Vertrauten, fand an ihm einen Mann von großem Vermögen, und entdeckte ihm, in welcher Absicht er gekommen, und wie die Sache zu unternehmen sey. 7. So bald sich nun dieser erklärte, daß er an dem Entwurfe Theil nehmen, und, wenns nöthig sey, Geld vorschießen wolle, machten sie den Anfang der Unternehmung damit, daß sie die in der Stadt angestellte Wache, die aus zwey Legionen bestund, mit Gelde bestachen. 8. Ueber dieses bewaffneten sie Sklaven, und zogen ohne Mühe vieles Volk,2 dessen ein großer Theil sich von selbst darstellte, auf ihre Seite. Nun ließen sie die Menge mitten in der Nacht in die Stadt einrücken, und sezten alles in Bestürzung. Wie nun jedermann vor sein Haus trat, sahe man den Prokopius plözlich wie einen Theaterkönig sich darstellen.
