Viertes Kapitel. Charakter des Valens ― Aufruhr des Prokopius.
S. 8 [J. 365.] 1. Dem Valens aber, der zuerst ein unthätiges Leben geführt, jezt plözlich die Regierung erhalten hatte, und der Last der Geschäfte nicht gewachsen war, droheten mancherlei Unruhen von allen Seiten. 2. Denn die Perser, durch die Vortheile, die ihnen der Vertrag mit dem Jovianus gewährte, stolz gemacht, thaten nun, da Nisibis ihnen unterworfen war, ungescheut Einfälle, und zogen dadurch, daß sie die Städte des Morgenlandes beunruhigten, die Aufmerksamkeit des Valens auf sich. 3. Wie er nun von Konstantinopel auszog, ereignete sich der Aufruhr des Prokopius. 4. Denn ihm hatte Julianus, als seinem Verwandten, einen Theil der Macht anvertraut, und befohlen nebst dem Sebastianus durch Adiabene vorzurücken, und ihm, wenn er auf einem andern Wege gegen den Feind zöge, entgegen zu kommen, auch aus unbekannten Ursachen, das kaiserliche Gewand angelegt. 5. Als es aber die Gottheit anders lenkte, und, nach Julians Tode, Jovianus den kaiserlichen Thron bestieg, so eilte Prokopius herbei, übergab dem Jovianus das ihm geschenkte kaiserliche Gewand, bekannte, von wem ers empfangen habe, und bat den Kaiser, ihn des Kriegsdienstes zu entlassen, und ihm zu erlauben, daß er in Ruhe leben, und sich mit dem Ackerbau und Besorgung seines Hauswesens S. 9 beschäftigen dürfe. 6. Als er dieses erhalten hatte, begab er sich mit Gattin und Kindern nach Käsarea in Kappadokien, und beschloß da zu wohnen, weil er daselbst ansehnliche Güter besaß.
