Fünf und zwanzigstes Kapitel. Glänzender Sieg des Modares über die Gothen und die Befreiung Thrakiens.
1. Indem Theodosius, der Kaiser, sich zu Thessalonich aufhielt, strömte viel Volks, theils in eigenen, theils in Staats-Angelegenheiten, von allen Seiten dahin, erhielt, was billig war, und entfernte sich wieder. 2. [J. 380] Nun kam wieder eine Menge Skythen — ich meine Gothen, Taiphalen und andere Völker, die vorher mit ihnen zusammen lebten — über den Ister, und S. 42 beunruhigten die den Römern unterworfenen Städte, durch die Noth gezwungen, weil die Hunnen ihre Wohnungen besetzt hatten. Theodosius rüstete sich daher mit aller Macht zum Kriege. 3. Da ganz Thrakien von den genannten Völkern eingenommen war, und die Besatzungen der Städte und Kastelle es nicht wagten, nur ein wenig sich von den Mauern zu entfernen, noch viel weniger im freien Felde zu streiten: so besetzte Modares, vom königlichen Stamme der Skythen, der kurz zuvor zu den Römern übergegangen, und wegen bezeugter Treue eine Befehlshaberstelle erhalten hatte, einen zwar niedrigen und nicht felsigten Hügel, der aber sich weit hin erstreckte, und unter dem eine große Fläche lag, mit seinen Soldaten, und zwar so, daß die Barbaren es nicht bemerkten, als er es that. 4. So bald er nun von seinen Ausspähern erfuhr, daß die Barbaren in der unten liegenden Ebene von dem, auf dem Lande und in den offenen Dörfern vorgefundenen Vorrathe Misbrauch gemacht hatten, und betrunken da lagen: so ertheilt er in der Stille Befehle: die Soldaten sollen nur Schwerd und Schild mit sich nehmen, der größeren und schwereren Rüstung diesmal sich nicht bedienen, auch die gewöhnliche gedrängte Stellung nicht beobachten, um den in Schwelgerei versunkenen Feind zu überfallen. Dies geschahe! 5. In kurzer Zeit hieben die Soldaten, welche die Barbaren überfielen, diese alle S. 43 nieder, einige, ohne daß sie etwas1 merkten, andere, die erst durch Wunden aufmerksam wurden; den einen erlegten sie auf diese, andere auf eine andere Art. 6. Als nichts mehr vom Feinde übrig war, plünderten sie die Gefallenen, eilten alsdann zu den Weibern und Kindern, und nahmen derselben viertausend Wagen voll, machten also so viele Gefangene, als man auf so vielen Wagen führen kann, außer noch denjenigen, die den Wagen zu Fuße folgten, und abwechselnd, wie gewöhnlich, auf denselben ausruheten. 7. Da das Heer den Umstand, den ihm das Glück darbot, genützt hatte, so gelangte Thrakien, das in der äußersten Gefahr des Untergangs war, gegen alle Hoffnung, durch die Niederlage der Barbaren, zur Ruhe.
Von dem Feinde. ↩
