Sechs und vierzigstes Kapitel. Maximus wird in Aquileja überfallen, gefangen, und hingerichtet.
[J. 388.] 1. Während Theodosius auf diesem Wege heranzog, erfuhr Maximus, daß die Mutter des S. 81 Valentinianus mit ihren Kindern über den Ionischen Meerbusen schiffen werde, bringt Schnellschiffe zusammen, übergiebt sie dem Andragathius, und schickt sie aus, jene zu fangen. 2. Dieser streifte überall, und verunglückte in seinem Versuche ― 1 denn sie waren schon über die Ionische Meerenge geschifft ― doch sammelte er eine hinreichende Macht, und seegelte immer umher, weil er glaubte, Theodosius werde mit seiner Seemacht anrücken. 3. Während Andragathius sich damit beschäftigte, zog Theodosius durch Pannonien und die Pässe der Apenninen, und überfiel unvermuthet und unverwahrt die Macht des Maximus. 4. Da ein Theil des Heers2 im schnellsten Anlaufe die Mauern von Aquileia angriff, und sich den Eingang durch die Pforten mit Gewalt eröffnete ― denn die Wache, die nicht stark war, sahe sich nicht im Stande, zu widerstehen ― so wurde Maximus, der eben anfieng, seinen Soldaten Geld auszutheilen, vom Throne herabgerissen, des kaiserlichen Gewandes beraubt, und vor den Theodosius geführt. 5. Der Kaiser rückte ihm seine Verbrechen gegen den Staat in nur wenigen Worten vor, und übergab ihn S. 82 dann dem Nachrichter, die verdiente Strafe zu büßen. 6. Dieses Ende nahm das Leben und die Herrschaft des Maximus, der seit seinem über den Valentinianus erhaltenen Vortheile sich träumen ließ, ohne Mühe das ganze Römische Reich sich erwerben zu können!
