Funfzigstes Kapitel. Schilderung des Charakters des Theodosius.
S. 87 1. Dieses wars, was dem Kaiser Theodosius, nach seiner Rückkehr von der Vertilgung des Maximus, begegnete! 2. Als er nach Konstantinopel zurück kam, war er auf den Sieg über den Maximus sehr stolz: durch das aber, was die in den Sümpfen verborgenen Barbaren ihm und seinem ganzen Heere zugefügt hatten, wieder gedemüthigt, beschloß er, dem Kriege und den Schlachten zu entsagen. 3. Diese überließ er dem Promotus, und erinnerte sich nun seiner vorigen Lebensart, hielt kostbare Gastmahle, beschäftigte sich nur mit Vergnügungen, und setzte seinen ganzen Stolz in Schauspiele und Pferderennen, so daß ich mich über das Schwankende dieses Mannes von einer Lebensart zur andern nicht genug verwundern kann. 4. Denn da er von Natur sorgloß, und der Unthätigkeit und alle dem, was ich vorhin sagte, ergeben war; so überließ er sich seinem Temperamente, wenn ihn nichts Unangenehmes oder keine einbrechende Furcht in Bewegung setzte. Wurde er aber in eine Noth versetzt, von der man glauben mußte, sie werde die gegenwärtige Verfassung erschüttern, dann legte er die Unthätigkeit ab, entsagte der Schwelgerei, und gieng zur Männlichkeit, Thätigkeit und einer, Ungemach ausdauernden Lebensart über. 5. Er, der als ein Mann von solchem Charakter sich durch die Erfahrung S. 88 bewährte, war kaum von aller Sorge befreiet, als er aufs neue sich der angebornen Sorgloßigkeit ergab.
