14.
Am vierten Tage richtete Gott nach der Erde den Himmel ein und schmückte ihn, nicht als ob er diesen hinter der Erde zurücksetzen und dem geringeren Wesen den Vorrang geben wollte und das bessere und göttlichere nur der zweiten Stelle für würdig erachtete, sondern um klar und deutlich die Macht seiner Herrschaft (seine Allmacht) zu zeigen (Aus Philo übernommen ist der Gedanke, dass Gott die Pflanzenwelt eher als Sonne und Mond geschaffen, um seine Allmacht zu zeigen, im Midrasch Tadsche (A. Epstein, Revue des etudes juives XXI, 87).). Denn er wusste im voraus, welcher Art die Ansichten der damals noch nicht geschaffenen Menschen sein würden: dass sie ihr Augenmerk auf das Wahrscheinliche und scheinbar Glaubliche, worin nur teilweise Vernünftiges steckt, und nicht auf die reine Wahrheit richten, dass sie mehr auf die Naturerscheinungen als auf Gott vertrauen, mehr die Scheinweisheit als die (wirkliche) Weisheit bewundern und aus der wiederholten Betrachtung der Umdrehungen von Sonne und Mond, durch die Sommer und Winter, Frühjahrs- und Herbstwende entstehen, den Schluss ziehen würden, dass alles, was in jedem Jahre aus der Erde hervorwächst und entsteht, in den Kreisläufen der Gestirne am Himmel seine Ursache habe; damit daher nicht manche entweder aus schamloser Keckheit oder infolge ausserordentlicher Unwissenheit das erste Wirken einem geschaffenen Wesen zuzuschreiben wagen, meinte er: Mögen sie doch im Geiste bis zum ersten Entstehen des Alls zurückgehen, bis zu dem Zeitpunkte, wo die Erde vor Erschaffung von Sonne und Mond allerlei Pflanzen und allerlei Früchte trug, mögen sie dies in ihrem Geiste beachten und daraus die Überzeugung schöpfen, dass die Erde auch ein andermal Früchte tragen wird nach dem Befehle des Vaters, wenn es ihm gefiele, ihm, der der Beihilfe seiner Kinder am Himmel nicht bedarf, denen er Kräfte zwar verliehen hat, aber nicht unumschränkte; denn wie ein Wagenlenker, der die Zügel, oder wie ein Steuermann, der das Ruder festhält, lenkt er alles, wohin er will, nach Gesetz und Recht, ohne eines andern zu bedürfen; denn Gott vermag alles.
