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Dass er aber auch hinsichtlich der Seele vorzüglich war, ist ebenso klar; denn zu ihrer Bildung benützte Gott als Vorbild nicht eins von den in der Schöpfung vorhandenen Dingen, sondern, wie gesagt, einzig und allein seine eigene Vernunft; deren Abbild und Nachahmung, sagt er also, sei der Mensch geworden, da ihm in das Antlitz gehaucht wurde, wo der Sitz der Sinne ist, mit denen der Schöpfer den Körper beseelte; nachdem er aber die Vernunft als Herrscherin eingesetzt hatte, übergab er diesem führenden Teil die Sinne, dass er sich von ihnen zur Aufnahme von Farben, Tönen, Geschmack, Gerüchen und anderen Dingen bedienen lasse, da er durch sich allein ohne die sinnliche Wahrnehmung sie zu erfassen nicht imstande war. Natürlich muss die Nachbildung eines schönen Vorbildes auch schön sein. Die göttliche Vernunft aber ist besser als die Schönheit selbst, wie sie sich in der Natur zeigt, und nicht mit Schönheit geschmückt, sondern selbst, die Wahrheit zu sagen, ihr schönster Schmuck.
