27.
Dies sei als zweiter Grund angeführt; ein dritter aber ist der folgende. Da Gott Anfang und Ende der Schöpfung wie nahe Verwandte und Freunde zusammenzubringen gedachte, schuf er zuerst den Himmel und zuletzt den Menschen, jenen als das vollkommenste der unvergänglichen Dinge in der Sinnenwelt, diesen als das vorzüglichste der erdgeborenen und vergänglichen (Geschöpfe), der so zu sagen ein kleiner Himmel ist (Einen „kleinen Himmel" oder eine „kleine Welt" nennt Philo öfter den Menschen nach aristotelischer, stoischer und pythagoreischer Ausdrucksweise im Gegensatz zum Makrokosmos, zur Welt, die umgekehrt von Philo bisweilen der „grosse Mensch" genannt wird. Der Gegensatz von Makrokosmos und Mikrokosmos zieht sich auch durch die ganze Philosophie des Mittelalters.), da er viele sternähnliche Wesen als Bilder in sich trägt (Philo vergleicht den menschlichen Geist mit dem Himmel: wie am Himmel die Gestirne, die nach Philo göttliche Naturen (θεϊαι φύσεις) sind, sich herumbewegen, so bewegt der Mensch in seiner Seele gleichsam sternähnliche oder göttliche Naturen d. hl. göttliche Gedanken.) in Künsten und Wissenschaften und in den herrlichen Grundsätzen jeglicher Tugend. Denn da das Vergängliche und das Unvergängliche von Natur Gegensätze sind, so wies er von beiden Arten das Schönste dem Anfang und dem Ende zu, dem Anfang, wie gesagt, den Himmel, dem Ende den Menschen.
