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Ist es doch bei der ersten Annäherung des männlichen Geschlechts an das weibliche die Lust, die sie zusammenführt; durch ihre Vermittlung erfolgt Begattung und Zeugung. Die Neugeborenen sind zunächst mit nichts anderem so bekannt wie mit ihr, da sie an der Lust ihre Freude haben und ihr Gegenteil, den Schmerz, hassen; deshalb fängt das Kind bei der Geburt zu weinen an, wie es scheint, aus Schmerz über die Kälte; denn aus einem sehr warmen, ja feurigen Raume, dem Mutterschosse, wo es lange geweilt, kommt es plötzlich hinaus an einen kühlen und ungewohnten Ort, an die Luft, ist erschrocken und liefert durch sein Weinen den klarsten Beweis, dass es Schmerz empfindet und über den Schmerz unwillig ist. Ferner, behaupten sie, trachtet jedes Lebewesen nach Lust als dem notwendigsten und wichtigsten Strebeziel, und am meisten der Mensch; denn die anderen erstreben sie nur mittels des Geschmacks und des Zeugungsorgans, der Mensch dagegen auch vermittelst der übrigen Sinne, da er allen Sehenswürdigkeiten und jedem Ohrenschmaus nachgeht, die den Ohren und Augen Genuss zu bereiten vermögen. Noch sehr viel mehr wird zum Lobe dieser Empfindung gesagt und zum Beweise, dass sie mit den Lebewesen eng verbunden ist;
