35.
Ausser dem Gesagten zeigen deutlich die vollendende Kraft der Sieben auch die Altersstufen des Menschen, die von der Kindheit bis zum Greisenalter so gemessen werden: in der 1. Jahrwoche erfolgt das Wachsen der Zähne, in der 2. beginnt die Zeugungsfähigkeit, in der 3. der Bartwuchs, in der 4. die Steigerung der Manneskraft, in der 5. die Zeit zur Verehelichung, in der 6. der Höhepunkt der Einsicht, in der 7. die fortschreitende Verbesserung und Stärkung des Geistes und der Redekraft, in der 8. die Vollendung beider;in der 9. beginnt die Milde und Sanftmut, da die Leidenschaften dann schon mehr bezähmt sind; in der 10. Jahrwoche kommt das erwünschte Ende des Lebens, wenn auch die organischen Glieder noch beisammen sind; denn das lange Greisenalter pflegt jeden niederzuwerfen und zu schwächen. Diese Lebensalter beschrieb auch Solon, der Gesetzgeber der Athener, in folgender Elegie:
Noch nicht erwachsen, ein unmündig Kind, im ersten Jahrsiebent
Bringt es hervor und verliert wieder der Zähne Geheg'.
Aber lässt Gott es vollenden der Jahre noch weitere sieben,
Stellen allmählich sich ein Zeichen der werdenden Kraft.
Im Jahrsiebent dem dritten, da noch die Glieder sich dehnen,
Deckt sich das Kinn mit dem Flaum, wechselt die Farbe die Haut.
Im Jahrsiebent dem vierten erlangt wohl ein jeder die höchste Stärke, die auch als Beweis männlicher Tüchtigkeit gilt.
Aber das fünfte gemahnet den Mann, dass er, reif zur Vermählung, Sorge für Nachkommenschaft, Zukunft des Menschengeschlechts.
Und in dem sechsten reifet im Mann die ernste Gesinnung; Würdevoll mag er nicht mehr treiben törichtes Spiel.
Vierzehn Jahre nun kommen, das siebent' und achte Jahrsiebent,
Wo den Gipfel erreicht Einsicht und Redegewalt.
Auch in dem neunten ist stark noch die Tatkraft des Mannes, doch sanfter wirket zu edlem Tun Weisheit und Redegewalt.
Doch wer das zehnte vollendet und so bis ans Ziel hin gelanget,
Der ist nicht mehr zu jung, wenn ihn der Tod überfällt.
