Siebenzehntes Kapitel. Plan des Gainas für Tribigildus.
1. Gainas befürchtete nun, der von allen Seiten umringte Tribigildus, der keine hinlängliche Macht mehr hatte, möchte endlich unterliegen, und schickte daher eine Schaar der Barbaren nach der andern ins Lager der Römer, damit diese in kurzer Zeit umkämen, und dem Tribigildus Gelegenheit zur Flucht verschaft würde. Die Barbaren, die Gainas dem Leon geschickt hatte, fielen S. 133 also die Römer überall an1, plünderten das Land, und tödteten die Soldaten, und ließen nicht eher nach, bis sie das Heer mit dem Feldherrn Leon selbst aufgerieben, und fast das ganze Land zur Wüste gemacht hatten. So gelang denn dem Gainas, was er suchte! 3. Denn Tribigildus entfloh aus Pamphylien, und that den Städten Phrygiens größere Drangsale an, als vorher. 4. Nun erhub Gainas seine glücklichen Thaten gegen den Kaiser, und setzte den Senat und alle Hofleute in solche Furcht, daß er so gar drohete, Tribigildus werde die Oerter am Hellespont angreifen, und alles zu unterst zu oberst kehren, wenn nicht des Kaisers dasjenige seiner Aufmerksamkeit würdigte, was der Feind verlangte. 5. Dieser List bediente sich Gainas, und wollte seine wahre Denkart noch verbergen, und durch das, was er dem Tribigildus schuld gab, seinen eigenen Plan ausführen. 6. Denn es verdroß ihn nicht so wohl, daß er übergangen wurde, als vielmehr, daß Eutropius den höchsten Gipfel der Macht erreichte, daß dieser sogar zum Konsul ernannt, daß das Jahr nach ihm genannt werden sollte2, und er mit der Würde eines S. 134 Patriciers beehrt wurde. 7. Dieses bewog den Gainas besonders zum Aufstande gegen den Staat. 8. Dazu ganz entschlossen, beschloß er zuerst den Tod des Eutropius. Noch während seines Aufenthalts in Phrygien schickt er an den Kaiser, und läßt ihm sagen: „wegen der Stärke des Tribigildus in Kriegssachen, hoffe er nun nichts mehr3. Es seie nicht möglich, seiner Wuth zu widerstehen, und Asien von den obschwebenden Gefahren zu befreien, als, wenn der Kaiser sich bereden lasse, seinen Bitten nachzugeben. 9. Seine Hauptbitte seie, den Urheber alles Unglücks, den Eutropius, ihm auszuliefern, um mit ihm zu machen, was ihm beliebe.
Heu coeli terraeque pudor, trabeata per urbes
Ostentatur anus, titulumque effeminat anni.
und V. 318. ― exhorruit annos,
Eunuchumque vetat fastis accedere Janus.
Vermuthlich hatten also die Gothen den geheimen Befehl von ihm, nach und nach zum Aufrührer überzugehen, und die nichts besorgenden Römer, wo sie sich fanden, anzufallen. ↩
Das Jahr 399. Dieser Umstand, daß die Geschichte melden sollte „unter dem Konsulat des (Eunuchen) Eutropius“ machte auch den Dichter Klaudian, als Schandflecken, besonders unwillig. Daher er (in Eutrop. I, 9.) sagt: ↩
Etwas ersprießliches gegen ihn auszurichten. ↩
