Vier und zwanzigstes Kapitel. Angelegter Brand in Konstantinopel.
1. Die Klasse der Sykophariten aber nahm mehr, als jemals, überhand, und schloß sich an die Eunuchen des Hofs an, um, wenn ein Reicher gestorben war, sein Vermögen anzugeben:1 „er habe weder Kinder noch sonsten Anverwandte.“ Nun wurden Schreiben des Kaisers herbeigebracht, die befahlen: das Vermögen von diesem jenem zu übergeben, und so wurden die S. 149 Erbschaften den Bittenden übergeben, während die Kinder dabei stunden, mit Weheklagen, und sich auf ihre Eltern beriefen. 2. Mit einem Worte, alles erfüllte izt die Stadt mit Jammer, und brachte jedem Einwohner unberechneten Schaden. 3. Denn da der Kaiser zuletzt allen Verstand verlor, [J. 404.] so maßte sich seine Gattin mehr an, als je ihrem Geschlechte zukömmt, wurde ganz von der Unersättlichkeit der Eunuchen und der Weiber, die sich ihrer vorzüglich bemächtigten, regiert, und entzog jedermann die Mittel des Lebens so sehr, daß selbst denen, die gemässigt dachten,2 nichts wünschenswürdiger war, als der Tod. 4. Und wie, wenn es an all’ diesem nicht genügte, gerieth Konstantinopel in eine noch weit grössere Gefahr, und zwar aus folgender Ursache. 5. Als Johannes nach seiner Verbannung, wie gesagt, zurücke kam, und in seinen heiligen Zusammenkünften3 das Volk gegen die Kaiserinn erregte, so sahe er sich4 von dem bischöflichen Throne und aus der Stadt vertrieben, verließ diese, und bestieg ein Schiff. 6. Seine Anhänger gaben sich S. 150 alle Mühe, daß niemand nach ihm Bischof werden sollte, und beschlossen, die Stadt mit Feuer zu verderben. Daher legten sie heimlich bei Nacht Feuer in der Kirche an, und stellten sich, um die Zeit der Dämmerung, ausserhalb derselben, daß man daher nicht wußte, wer sie waren ― und nun zeigten sie, als es Tag wurde, die Stadt in der äussersten Gefahr. 7. Denn die Kirche brannte ganz ab, und mit ihr wurden die anstossenden Gebäude verzehrt, besonders diejenigen, an die der entstandene Windsturm das Feuer hinführte. 8. Es ergriff auch das Feuer das Haus, wo sich der [J. 404.] Senat zu versammeln pflegte, das, mit aller Schönheit und Pracht erbaut, vor dem kaiserlichen Pallaste stund. Es war mit Bildsäulen der Künstler geziert, deren erster Anblick die Würde desselben verkündigte, und mit farbigtem Marmor, dergleichen man in unsern Zeiten nicht mehr gräbt. 9. Man sagt auch, die Bildnisse der Musen, anfangs auf dem Helikon errichtet, die hernach, zur Zeit Konstantins, als ein Theil des Kirchenraubs, an dieser Stätte aufgestellt wurden, seyen durch dieses Feuer zu Grunde gegangen — ein deutliches Anzeigen des izigen Mangels an Liebe zu den Musen! 10. Ein Wunder aber, das hier geschahe, verdient, nicht mit Stillschweigen übergangen zu werden. Vor den Thüren der Kapelle des Senats, nur der zu Ehren ich dieses erzähle, waren die Bildnisse des Zevs und der S. 151 Athene auf steinernen Gestellen errichtet, wo man ihre Form noch izt sehen kann. Jenes hält man für das Bild des dodonäischen Zevs, dieses, sagte man, habe ehemals in Lindos5 gestanden. 11. Da nun das Feuer die ganze Kapelle verzehrte, so floß das geschmolzene Blei, das auf dem Dache lag, auf die Bildnisse herab, und gegen dieselbe schlugen auch die Steine, die der Gewalt des Feuers nicht widerstehen konnten. 12. Als die ganze Schönheit des Gebäudes in Schutt verwandelt war, so muthmaßte man allgemein, auch die Bildnisse werden Staub seyn. Kaum aber war der Platz geräumt, und zum neuen Baue zubereitet, so sahe man die Bildnisse dieser Götter allein, aus dem allgemeinen Verderben erhalten — ein Umstand, der den gebildeteren Theil6 bessere Hoffnung von dem Staate schöpfen ließ, daß nämlich diese Götter entschlossen seyen, ihn noch immer zu schützen! 14. Doch es mag in Zukunft ergehen, wie’s der Gottheit gefällt!
Mit dem Beisatz. ↩
Die sich auch mit mittelmäßigem Vermögen begnügten. ↩
In seinen Predigten, wie wir izt sagten. — Besonders nahm sie übel, daß der Redner wider die Anbetung ihrer Bildsäule von Silber eiferte; s. Gyllii Constantinop. p. 125. u. Cedrenus S. 272. Basler Ausg. 1566. ↩
Daher aufs neue. ↩
Es war, nach den Berichten des Cedrenus (S. 265.) vier Ellen hoch, von Smaragd — vermuthlich so ächtem, als der in Reichenau ist — ein Wert des Dizönus und Skyllis, das der König Sesostris dem Kleobulus, Herrscher zu Lindos, auf der I. Rhodus, geschenkt habe, wogegen Gyllius am angeführten Orte S. 195. mit Recht Zweifel erregt. Heyne muthmaßt, es sey von Erz gewesen, um die Unverbrennlichkeit zu erklären. Da Z. gleich beisezt: man habe gefürchtet, die Bildnisse möchten Staub seyn, so konnte diese Athene nicht wohl von Erz seyn. ↩
Der Einwohner. ↩
