Sechs und dreißigtes Kapitel. Man will den Frieden mit Alarich aufheben.
1. Aber auch dadurch wurde Alarich noch nicht gereizt, den Krieg zu unternehmen, sondern zog den Frieden vor, indem er sich des Stillstands S. 173 mit Stilicho erinnerte. 2. Er schickte Gesandten ab, den Frieden für keine große Geldsumme zu schliessen, und trug darauf an, daß man ihm den Aetius und Iason, diesen, des Gaudentius, jenen, des Jovius Sohn, als Geisel überlassen solle, er wolle selbst einige seiner Edelsten geben, und dann Ruhe halten, auch sein Heer aus Norikum nach Pannonien zurück ziehen. 3. Ob er nun gleich unter diesen Bedingungen Friede suchte, gestattete ihm der Kaiser die Bitte nicht, und von zweien Sachen sollte er doch, um bei gegenwärtigen Umständen alles in gute Ordnung zu bringen, eines thun, 4. entweder den Stillstand um die mässige Geldsumme schließen, und den Krieg aufschieben, oder, wollte er kriegen, alle Legionen zusammen ziehen, sie auf dem Wege1 der Feinde aufstellen, und also die Barbaren von dem weitern Vorrücken abhalten — 5. auch den Sarus zum Anführer des ganzen Kriegs wählen, der schon durch sich selbst den Feind wegen seiner Tapferkeit und Kriegserfahrung schröcken konnte, und auch Barbaren genug bei sich hatte, ihm Widerstand zu thun. 6. Allein er nahm weder den Frieden an, noch bewarb er sich um die Freundschaft des Sarus, noch zog er die römische Macht zusammen, und erwartete alles von dem Gebete des Olympius,2 und wurde eben dadurch der Urheber so grossen S. 174 Unglücks. 7. Denn er stellte solche Anführer des Heers auf, die nichts anders, als Verachtung des Feindes erwecken konnten, [J. 408.] den Turpilion über die Reuterei, Varanes über das Fußvolk, und Vigilantius über die Schaar der Leibwache, auch die übrigen Anstalten stimmten mit diesen überein. 8. Daher verzweifelte jedermann, und hatte nichts als den Untergang Italiens vor Augen.
