Sieben und zwanzigstes Kapitel. Ravenna ― Alarich und Konstantin.
1. Ravenna ist die Hauptstadt Flaminiens, eine alte Stadt und Thessalische Kolonie, hieß Rhene, weil rings umher Wasser rinnt, nicht, weil, wie Olympiodorus, der Thebaner, Remus, des Romulus Bruder, sie erbauet haben solle. Daher dem Quadratus1, der in seiner Geschichte des Kaiser Markus jene Ursache angiebt, beizustimmen ist. 2. Da nun in dieser Stadt Stilicho sich gerüstet hatte, mit seinem bereiteten Heere die Städte S. 156 Illyriens zu überziehen, sie mit Alarich vom Reiche des Arkadius abzureißen, und dem Honorius zuzuwenden, kamen ihm zwei Hindernisse in den Weg: 3. zuerst lief die Sage umher, Alarich seie gestorben, und dann wurden ihm Briefe des Kaisers aus Rom übergeben, durch die ihm bekannt gemacht wurde, Konstantin strebe nach der Selbstherrschaft2, seie aus Britannien übergeschifft, bei den Völkern jenseits der Alpen angekommen, und betrage sich in den Städten schon als Kaiser. 4. Die Nachricht von Alarichs Tode blieb zweifelhaft, bis einige ankamen, und die wahren Umstände bekannt machten3. 5. Was man aber von der Ernennung Konstantins erzählte, nahm jedermann an. 6. Darum wurde der Zug nach Illyrien eingestellt, und Stilicho reisete nach Rom, um sich da zu berathschlagen, was zu thun seyn möchte.
Asinius Q. schrieb eine Römische Geschichte, die 1000 Jahre umfaßte, in Ionischer Sprache in 15 Bücher ― wegen jenes Umstands χιλιετηρίς [chilietēris] genannt. Sie ist verloren gegangen. ↩
Seine Soldaten riefen ihn als Kaiser aus. Er hieß Flavius Klaudius K. und hoffte desto eher, das westliche Reich zu erobern, da er an Alarich, einem Staatsdiener des Honorius, einen Vertrauten hatte, und anfangs seine Fortschritte glücklich bis über die Pyrenäen trieb. ↩
Daß die Nachricht falsch war. ↩
