Neun und dreißigstes Kapitel. Hunger und Pest in Rom.
[J. 408]. 1. Aber der Serena Tod hielt den Alarich von Roms Belagerung nicht ab. Rings umher sperrte er alle Thore, und besetzte den Tiberfluß, S. 179 um die Zufuhr der Lebensmittel aus dem Hafen1 zu hemmen. 2. Als die Römer dieses erfuhren, nahmen sie sich vor, auszudauern, weil sie Hülfe erwarteten, die, wie man sagte, alle Tage aus Ravenna ankommen könne. 3. Da aber niemand kam, und sie in ihrer Hoffnung getäuscht wurden, so beschlossen sie, das Maas des Getraides zu verringern, und nur die Hälfte von dem zu verbacken, was den Tag vorher verzehrt wurde — und, bei zunehmendem Mangel, nur den dritten Theil. 4. Noch zeigte sich kein Mittel der Rettung in diesem Unglück. Was dem Magen helfen konnte, gieng aus. Auf den Hunger folgte, wie gewöhnlich, Pest, und alles war voll Leichnamen. 5. Außerhalb der Stadt konnte man sie nicht begraben — denn die Feinde bewachten jeden Aussang — daher war die Stadt selbst der Begräbnißort der Todten. So wurde die Stadt menschenleer, und, wäre auch kein Mangel an Lebensmitteln gewesen, so reichte schon der Geruch der Leichname hin, zum Verderben der Einwohner. 7. Sehr viele unterstützten, durch Darreichung der Bedürfnisse, Läta, die Gattin des Kaisers Gratianus, und ihre Mutter, Pissamena [auch Tisamena]. 8. Denn da der Staat ihnen auf die kaiserliche Tafel den Vorrath lieferte — ein Geschenk, das sie von Theodosius erhalten hatten! ― so stillten sie, nach ihrer Menschenliebe, den Hunger vieler aus ihrem Hause.
Ostia. ↩
