47.
Was die Beschneidung betrifft, so beruht diese bei „den Juden“ auf einer andern Ursache als die bei „den Ägyptiern“ oder „Kolchern“; deshalb dürfte wohl auch die Beschneidung nicht als dieselbe gelten. Und wie die Opfernden nicht derselben Gottheit ihre Opfer darbringen, wenn auch die Art und Weise ihrer Opferfeier ähnlich ist, und wie die Betenden sich nicht an denselben Gott wenden, wenn auch ihre Gebete den gleichen Inhalt haben: ebenso ist die Beschneidung, die an dem einen vorgenommen wird, durchaus nicht dieselbe, die an einem andern vollzogen wird. Denn die1 Absicht, des Gesetzes und der Gesinnung dessen, der die Beschneidung vornimmt, macht die Handlung zu einer andern. Damit aber die vorliegende Sache noch besser verstanden werde, haben wir zu bemerken, dass das Wort „Gerechtigkeit“ bei allen Griechen dasselbe ist. Aber es läßt sich schon nachweisen, dass die Gerechtigkeit, wie sie Epikur lehrt, etwas anderes ist als die Gerechtigkeit, wie sie die Stoiker verstehen, welche die Dreiteilung der Seele leugnen, und wieder etwas anderes die Gerechtigkeit der Platoniker, S. 502 die von der Gerechtigkeit sagen, dass sie das Handeln der Seelenteile aus eigenen Antrieb sei. So ist die Tapferkeit etwas anderes bei Epikur, der sich Anstrengungen nur deshalb unterziehen will, um größeren zu entgehen: und etwas anderes nach der Lehre der Stoa, die jegliche Tugend um ihrer selbst willen erstrebt; etwas anderes aber wieder bei dem Anhänger Platos, welcher behauptet, dass die Tapferkeit die Tugend des mutigen Teils der Seele sei und ihr als Sitz den Brustkorb zuweist. Und so dürfte die Beschneidung verschieden sein je nach den verschiedenen Ansichten derjenigen, die sich ihr unterziehen. Wir haben indessen in einer Schrift, wie die vorliegende ist, nicht nötig, darüber jetzt zu sprechen. Denn wer unsere Ansicht über diesen Punkt näher erfahren will, mag die Erklärung nachlesen, die wir hierüber in unserer Auslegung des Briefes des Paulus an die Römer gegeben haben.
Verschiedenheit der ↩
