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Celsus klagt aber auch die Schrift an, weil sie behauptet, dass „ein Engel von dem Grabe“, wo der Leib S. 515 Jesu lag, den Stein weggewälzt habe1 . Er macht es gerade so wie ein Knabe, der in der Schule die Aufgabe erhält, jemanden nach dem Schema anzuklagen, und sagt nun, wie wenn er einen klugen Einwand gegen die Schrift gefunden hätte, folgendes: „ Der Sohn Gottes konnte, wie es scheint, das Grab nicht selbst öffnen, sondern bedurfte eines andern, der den Stein entfernen mußte“ Damit ich nun bei der Betrachtung dieser Stelle nichts Unnützes tue oder durch Anführung einer bildlichen Erklärung jetzt den Anschein erwecke, als wollte ich zur Unzeit hierüber philosophieren, so will ich nur über die Erzählung selbst die Bemerkung machen, dass es von vornherein als würdiger erscheint, wenn der Geringere und Diener „den Stein hinweggewälzt hat“, als wenn es der getan hätte, der zum Heil der Menschen auferstand. Ich will nicht davon reden, dass diejenigen, die dem Worte nachstellten, die es töten und allen zeigen wollten, dass es tot und vernichtet sei, keineswegs den Wunsch hegten, dass „sein Grab geöffnet werde“2 , damit niemand sehen möchte, dass das Wort nach ihren Nachstellungen noch am Leben wäre. Aber der Engel Gottes, der zur Erlösung der Menschen in die Welt gekommen und stärker war als seine Feinde, wälzte mit Hilfe des andern Engels den schweren Stein hinweg, auf dass diejenigen, welche meinten, das Wort sei gestorben, die Überzeugung gewinnen könnten, dass es „sich nicht unter den Toten befinde“3 , sondern lebe und denen „vorangehe“,die ihm folgen wollten4 , damit es ihnen dann zu dem, was es ihnen schon früher mitgeteilt hatte, noch das Weitere mitteile, da sie in der früheren Zeit ihrer Einführung in die Lehre noch nicht imstande waren, die höheren Wahrheiten zu erfassen.
Hierauf wirft er dann, ich weiß nicht wie, dazwischen, ich weiß auch nicht, welchen Gewinn er sich S. 516 davon für seinen Zweck verspricht, dass „wegen der Schwangerschaft Marias ein Engel zu dem Zimmermann gekommen sei“, und wiederum, dass „ein Engel den Eltern geboten habe, das neugeborene, mit dem Tode bedrohte Kind der Gefahr zu entreißen und mit ihm nach Ägypten zu flüchten“. Wir haben hierüber schon oben gesprochen und auf seine Einwürfe geantwortet. Was will aber Celsus mit der Bemerkung, nach der Angabe der Schrift würden „auch zu Moses und zu den andern Engel geschickt“? Denn dies scheint mir seiner Absicht gar nicht förderlich zu sein, um so weniger, da keiner dieser Engel darum gekämpft hat, das Menschengeschlecht, soweit es in seiner Macht stand, von seinen Sünden zu bekehren. Auch „andere“ nun „mögen von Gott geschickt worden sein“, und „dieser mag eine wichtigere Sendung gehabt“, und, „da die Juden sich vergangen und den Glauben verfälschten und gottlose Dinge verübten“, das Reich Gottes „andern Arbeitern“ übergeben haben5 , die überall in den Gemeinden für ihr eigenes Seelenheil Sorge tragen und alles aufbieten, um auf Grund der Lehre Jesu durch ein reines Leben und durch Worte, die mit ihrem Leben übereinstimmen,[auch andere] zu dem allmächtigen Gott hinzuführen.
